DeathlyPhantom

[Kaiser]

DeathlyPhantom


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am 21.11.2019 um 01:30

Es ist erneut der Abend des ersten Fulgurstag des Monats und du sitzt am Lagerfeuer am Rande der Stadt. Vor dir sitzt der Geschichtenerzähler und wirft weiteres Brennholz in das Feuer, was dafür sorgt, dass es fröhlich umhertanzt und knackende Geräusche von sich gibt, als würde es sich die Finger brechen. Die Flamme tanzt provokant vor deinem Gesicht, als würde sie dich herausfordern, doch du schaffst es den Blick vom Feuer abzuwenden und wieder den alten Greis zu begutachten.
Er ist ein guter Mann und hat schon viel zu viele Geschichten über die Welt vor der Welt erzählt. Rasante Abenteuer über Menschen und andere Lebewesen, die gigantische Kontinente mit ihrer breiten Auswahl an zerstörerischer Magie, die sich dein Verstand nie bildlich vorstellen konnte, eroberten, riesige Bauwerke, von denen die besten Baumeister der Stadt auch nur träumen konnten und natürlich die fantastischen Bibliotheken mit ihren endlosen Reihen an Bücherregalen, die sogar den eifrigsten und wissbegierigsten Lehrling der Stadt befriedigen könnten.
Alles natürlich Fantasiemärchen, die vom Verstand des alten Mannes entsprangen. Er ist schon zu alt, als dass er die Realität und seine Fantasien unterscheiden könnte, und doch kommst du jedes Mal am ersten Fulgurstag des Monats zum Lagerfeuer und lässt dir erneut eine Geschichte von ihm erzählen.

Wieso du das tust? Das kannst du dir selbst nicht so wirklich erklären. Vielleicht ist es die Neugier nach dem scheinbar unmöglichem. Vielleicht brauchst du aber einfach etwas Stoff, worüber du während deiner Freizeit nachdenken kannst, damit du nicht vor Langeweile stirbst. Egal, warum du es tust: Der Geschichtenerzähler richtet seinen Kopf auf und schaut dich nachdenklich an, als würde er dich das erste Mal in seinem Leben sehen. Nach einigen Augenblicken lässt sich ein Lächeln im faltigen Gesicht des alten Mannes erblicken.
"Schön dich zu sehen, Sevion. Wie ich sehe, möchtest du wieder eine Geschichte hören?"
Eigentlich müsstest du zurück zu dem Stall deines Vaters und dich um die Schafe kümmern, da sie schon längst geschoren werden müssen.
"Ja, bitte!" bringst du heraus, obwohl sich scheinbar jede Faser deines Körpers dagegen wehrt noch weiter an diesem Ort deine Zeit zu vertrödeln.
"Nun denn," sagt der alte und setzt sich aufrecht hin, eine Hand auf seinem selbst geschnitzen Stab und die andere auf seinem Beutel. Was in dem Beutel tatsächlich drinnen ist, hast du nie erfahren. Vermutlich sind es nur Bücher, doch der alte Mann trägt ihn jederzeit mit sich herum. Du hast dich nie wirklich darum geschert, was dort drinnen ist, doch jetzt plötzlich interessiert es dich brennend.
Warum es das tut? Nun vielleicht ist es die Neugier nach dem unbekannten. Vielleicht ist es auch einfach die Illusion deines Verstandes, dass dort etwas interessantes drinnen sein könnte.
In jedem Fall: Der alte Mann spricht weiter.
"Was die Welt vor der Welt angeht, habe ich dir etwas verschwiegen. Innerhalb der Welt vor der Welt gab es eine Welt am Ende der Welt. Diese Welt am Ende der Welt war ganz anders aufgebaut, als du es von dieser Welt oder der Welt vor der Welt gewohnt bist. Ihr Himmel war Schwarz und es gab kein Grasland. Sie bestand aus kahlen, fliegenden Felsbrocken und doch trotz des Lebensfeindlichen Territoriums waren sie belebt von Menschen."
Du lehnst dich vor, fasziniert von der Erzählung. Wie auf einen Schlag sind alle deine Sorgen fortgeweht. "Von Menschen?" fragst du, gierig nach der Fortsetzung von der Geschichte.

Der Geschichtenerzähler nickte. Im Schein des Feuers sah er noch älter aus.
"Genau, von Menschen. Aber nicht von irgendwelchen Menschen, sondern von sehr speziellen Menschen."
Der Greis lehnt sich ein Stück zurück und entblöst seine Zähne. Sie sind Makellos und strahlend weiß. "Du kennst sicherlich die schwarzen Riesen. Schaust du sie nicht an, sind sie friedlich und können mit dir sogar teilweise einen Handel eingehen. Nun worauf ich hinaus will: Die Welt am Ende der Welt war früher das zu Hause der Riesen. Nein es ist sogar noch Interessanter. In der Welt vor der Welt konnten die schwarzen Riesen nur in der Welt am Ende der Welt entstehen."

Der Greis lehnte sich wieder vor und starrt dir intensiv in die Augen. In der Reflektion der Pupille siehst du das schwach tänzelnde Feuer, welches den Geist aufgeben wird, wenn man nicht schleunigst Brennholz nachwirft, doch der alte Mann macht keine Anstalten dies zu tun.
"Sevion, ich habe dir bereits oft genug erklärt, dass die Welt vor der Welt mit dieser Welt in einer gewissen Weise zusammen hängt. Wenn es dort am Ende der Welt eine Welt gab, dann gibt es sie auch hier, sonst gäbe es keine schwarzen Riesen.", sagte der Geschichtenerzähler und griff in seine Tasche. Du schaust ihm gespannt zu mit aufgerissenen Augen. Er wühlt dort lange herum und nach etlichen Sekunden zieht er etwas rundes, schwarzes heraus. Er dreht es in seiner Hand und es kommt ein Auge in Form eines Schlitzes zum Vorschein mit einer grünen Iris und einer schwarzen Pupille. Du kannst nicht anders als das Artefakt anzusehen. "W-was.." stammelst du, doch der alte Mann unterbricht dich:

"Ich habe zu viel Zeit damit verbracht dem Ende der Welt auf den Grund zu gehen und meine Forschungen führen zu dem Ergebnis, dass das hier der Schlüssel an den Ort ist, der ein Bindeglied zwischen der Welt vor der Welt und unserer Welt bildet. Womöglich könnte dies sogar die Welt vor der Welt wieder aus der Totenstarre zurückholen."
Das Auge zuckte leicht in der Hand des Mannes, als würde es versuchen der Hand zu entfliehen. Du siehst es dir an und weißt nicht, wie du darauf reagieren sollst. Der Greis hustet und legt die Kugel mit dem Auge auf den Boden vor das Feuer, welches nun fast erloschen ist. Du wirfst einen Stock hinein und lässt es wieder leicht entfachen.

"Nun, wo war ich? Genau, die speziellen Menschen, die in der Welt am Ende der Welt lebten. Sie verfolgten das Ziel die schwarzen Riesen nach zu ahmen. Sie wollten die Wege der Teleportation erkunden und nannten sich die Wächter vom Ende. Vielleicht haben ihre Experimente dazu geführt, dass diese neue eingeschränkte Welt erschaffen wurde. Vielleicht haben sie das freigesetzt, was sie sich geschworen haben zu bewachen."
Du schaust immer noch auf die Kugel mit dem Auge. Du fragst dich, wie genau so eine Kugel ein Schlüssel zu etwas sein soll und redest dir ein, dass all das ein Hirngespinst des alten Greises ist, doch eine Seite von dir will es wahr haben. Du stellst dir vor, dich durch die Welt zu schlagen mit der Kugel unter dem Arm. Du kämpfst dich durch Monsterhorden, erklimmst die tiefsten Schluchten, bezwingst die schwierigsten Labyrinthe und löst die schwierigsten Aufgaben, um am Ende Erfolg zu haben. Am Ende.
"Vielleicht gibt es die Wächter vom Ende noch. Am Ende. Sevion, du weißt genau, ich habe dich noch nie um etwas gebeten und ich habe mir vorgenommen das auch nie zu tun, doch ich fürchte man kann den Alterungsprozess noch nicht zurückdrehen. Wären wir in der Welt vor der Welt, wäre das sicherlich möglich." der Mann lachte dazu auf.

Du schaust ihm gebannt in die Augen und willst erfahren, was er von dir verlangt. Du hast schon eine Ahnung, doch du willst sie aus dem Mund des Geschichtenerzählers hören.
"Sevion, ich bitte dich mein Lebenswerk zu vollständigen. Finde das Ende der Welt und begebe dich in die Welt am Ende der Welt. Erkunde bitte die Geheimnisse, die sich dort vor uns verbergen und finde einen Weg, die Welt vor der Welt wieder herzustellen."
Der Greis nahm das Auge vom Boden und hält es dir entgegen. Du nimmst es Tonlos entgegen, obwohl in deinem Hinterkopf noch Schafe sind. "Ich werde es tun, keine Sorge." sagst du, obwohl du dies garnicht sagen willst. Seit wann liegt dir so viel an diesem alten Geschichtenerzähler?
"Wirf das Auge in die Luft und es wird dir den Weg in die Richtung vom Ende der Welt weisen. Wirf es nicht zu oft in die Luft, sonst könnte es zerspringen. Du glaubst nicht, was für ein Vermögen es mich gekostet hat dieses Auge zu erwerben." sagt der Greis, während du dich auf den Weg nach Hause machst um dort Vorbereitungen zu treffen. Du willst das Ende finden und du willst das Ende erkunden.
Du weißt nicht, was das Ende beherbergt, doch du weißt, dass dort etwas ist, was auf dich wartet.

Sind es die Wächter vom Ende?
Vielleicht. Du weißt es nicht.
Jetzt ist nur eines wichtig: Herausfinden, was am Ende ist. Du nimmst es dir vor und verlässt die Stadt am gleichen Tag als der Greis stirbt. In seinem Testament steht dein Name, doch du bist nirgends zu finden. Du bist bereits auf dem Weg zum Ende mit einer Frage in deinem Kopf, worauf es nur eine Antwort gibt:


Was ist am Ende?
Tödlich  Tod
Rhijannon

[Pilger|B|S]

Rhijannon


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am 21.11.2019 um 14:24

WoW!

Das wird irgendwo integriert :D

Es ist einfach toll geschrieben, icf rekrutiere dich, ab sofort bist du Storyschreiber, jetzt werde ich zum alten Mann und stelle dir eine Aufgabe :)