DeathlyPhantom

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am 07.07.2018 um 01:49

Mir ist langweilig und ich habe gerade Lama abgeschoben mit dem Grund, dass ich schlafen gehe aber eigentlich hab ich jetzt spontan die Idee bekommen ein Buch anzufangen (Ich liebe dich trotzdem <3). Ich bin auf den grandiosen Namen "Legendäres Universum" gekommen weil Fantasy. Wenn ich Lust habe werde ich vielleicht die ersten 5 Kapitel von dem Roman niederschreiben und wenn ich danach weiterhin Lust habe ein ganzes Buch privat xD

Also, fangen wir an:

Prolog:
"Lasst uns alle endlich den Abschluss feiern!" schrie ich mit einem Glas voller Bier erhoben durch den Saal. Es war Abschlussabend. 27. Juli 2017. Wie lustig... 12 Jahre Schule und jetzt werde ich diesen vertrauten Ort wahrscheinlich nie wieder in meinem Leben sehen. Wie oft hatte ich schon dieses dämliche Schulsystem verflucht? Wie oft hatte ich schon eine schlechte Note nach Hause gebracht weil ich für das falsche Thema gelernt hatte? Naja jetzt ist es alles vorbei. Jetzt steh ich mit offenen Armen da, in der linken ein Glas Bier, in der rechten ein leeres, und schreie mir gerade die Seele aus dem Leib, weil das alles endlich vorbei ist. 
"JAHUUUU" schrieh ein Junge neben mir und ließ sich in die Menschenmenge fallen. Ich sah belustigend zu und ging zu ihm rüber. "Wie viel Promille haste?" fragte mich der Junge. "Hatte erst ein Glas." sagte ich laut und hob meine rechte Hand mit dem leeren Glas. "HA! Ohne Allohol isn das ganze nüscht Spasisch!" schrie er mir mit voller Wucht ins Gesicht. Eine Brise von vergammelten Kartoffeln und Speck kam mir entgegen, ich verzog mein Gesicht und ging weiter durch den Saal.
 Überall herrschte Stimmung und ich tanzte überall mit, wo ich bekannte Gesichter traf. "JOUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUU ELVA!!!!!!!" Rief Ben mir zu, als ich zu den Getränkeständen ging um mir Punsch zu holen. Elva. Der Name, der mich schon mein ganzes Leben begleitet hat. Der Name, auf den ich immer reagiere. Ich weiß noch genau, wie meine Eltern mir die Geschichte erzählt haben wie sie auf meinen Namen kamen. "In Island sind Fabelwesen offiziell anerkannt!" meinte mein Vater. "Als du am Geburtstag der Elfen geboren wurdest, entschieden wir uns für Elva, da es eine Ableitung davon ist." sagte mir dann meine Mutter. Immigriert sind wir aus Island als ich 3 Jahre alt war wegen finanziellen Problemen. An die Zeit kann ich mich kaum erinnern, lediglich an den leckeren Wackelpudding damals beim Wochenfest. Der war einfach herrlich! "JOUUUUUUUUUUUUU BEN!!!!!!!" Schrie ich zurück während ich mein Glas erhob und dabei ein Paar Tropfen herausschwappten und beinahe lautlos auf den Boden fielen. "Wie findest du den Abschlussabend?!" fragte er micht laut. "Richtig toll!" sagte ich fast schreiend zurück. Ich schaute mir Ben an. Ein netter Junge, aber definitiv nichts für mich. Er ist einfach zu anders für meinen Geschmack und bringt immer die unangebrachtesten Witze. Schwarzen Humor nennt er das... "Ist den Leuten von der Organisation echt gut gelungen, wa?" fragte er mich nachdem er seinen Bierkrug ausgetrunken hatte. Ich schwieg und schaute durch den ganzen Saal. Nach 3 Stunden war die Stimmung immer noch top. Es wurde gesungen, getanzt und viele unterhielten sich lautstark. Es lief jede Art von Musik außer Dubstep natürlich. Das mochte niemand aus der Schule. "Ja find ich auch!" sagte ich und leerte mein Glas. Viele Stunden vergingen und gegen 4 Uhr morgens entschied ich mich, dass ich genug Bier, Musik, Tanz und soziale Interaktion für diesen Abend hatte. "Ey ich geh jetzt!" rief ich in den Saal. Viele reagierten nicht darauf, aber die meisten die mich kannten gaben einen Gruß zurück und wünschten mir eine gute Nacht. Ich ging rüber zu den Garderoben und nahm meine Schuhe. Ich hatte sie ausgezogen, damit ich besseren Halt auf der Tanzfläche hatte. Dieser rutschige Boden ging mir gewaltig auf die Nerven und dann habe ich diese Maßnahme gezogen. Ich zog die Schuhe an und ging raus. Ich fühlte die kalte Abendluft, wie sie mich durchströmte und meinem Körper neue Energie schenkte. in der Japanischen Kultur kennt man eine Kraft, die durch den ganzen Körpfer fließt, das Ki. In diesem Moment konnte ich fühlen, wie mein Körper, mein Ki durch die gewonnene Luft einen Kraftschub bekam. Ich machte einen weiteren Schritt, und noch einen, den dritten und dann überwand ich mich aktiv weiter zu gehen. Ich holte meinen alten MP3 Player aus der Tasche, den mir meine Mutter vor 3 Jahren geschenkt hatte. Sie meinte das wäre die neueste Technik auf dem Markt. War sie nicht. Dieser MP3 Player war von 2002. Zwar einer der besten, aber lange nicht die neueste Technik. Ein Handy hatte ich bis vor kurzem auch nicht, weil meine Eltern dabei wirklich mit Strenge auf alles achten und vor kurzem habe ich ein Nokia 3310 von meinem Vater bekommen mit den Worten "Wenn du dieses Handy zerstörst, bekommst du ein neues." Auf den Trick bin ich natürlich nicht reingefallen, aber ich fand es trotzdem belustigend wie im 21. Jahrhundert Eltern auf solche Methoden zurückgreifen um den Kindern ein Smartphone zu verweigern. Ich holte meine Ohrstöpsel raus, steckte sie in meine Ohren, schließte es an mein MP3 Player an, schaltete ihn ein und entschied mich für einen Song von dem ich den ganzen Tag einen Ohrwurm hatte. "Running in the 90's".

Ich ging die Straße hinunter und hörte die Refrainmelodie. Dann setzte die Stimme ein
"Run-ning in the nineties is a new way I like to be! ! I'm just run-ning in the ninties! yes I wanna know, yes I wanna SEE!
"
Und e
s setzte wieder die Refrainmelodie ein.

Ich ging die Straße weiter hinab und fühlte etwas kaltes auf meiner Wange. Ich berührte es mit einer Hand und erstaunlicherweise.. War es Regen!
Die Prognose meinte zwar, dass es die nächsten Wochen trocken sein wird, aber ich dachte mir nichts dabei und ging weiter während der Regen anfing immer stärker auf mich niederzuprasseln.


Prolog Ende.
wie findet ihr den Prolog? Ansprechend oder eher meh?
Hättet ihr gerne mehr von so etwas oder ist euch zu lästig solche Geschichten mit ständigen Gedankengängen des Protagonisten zu lesen?

Schreibt doch bitte eure Meinung in Form von einem konstruktivem Kommentar nieder! Vielen Dank.

Liebe Grüße,
euer Autor Deathly
Tödlich  Tod
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am 07.07.2018 um 08:00

Es klingt sehr Interessant. Ich hatte zwichenzeitlich überlegt eine Textanalyse zu machen. Frag mich nicht warum kam mir halt als erstes in den sinn xD. Allerdings finde ich das Prolog Ende etwas seltsam da du mitten im Satz aufhörst. Klar danach wird beschrieben um welches Thema oder was dem Protagonissten passiert, aber ich finde es dennoch etwas zu sehr Abgehackt. 
Es gibt zwei Dinge die Unendlich sind. Das Universum und die Dummheit der Menschen. Nur beim Universum bin ich mir nicht sicher.
Rhijannon

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am 07.07.2018 um 10:57

Rechtschreibung!  (schrie, Groß- Klein-Schreibung, Flüchtigkeitsfehler.., es sind nicht viel Fehler, aber ein literarischer Text sollte keinen haben.

Keine Textblöcke!

Sonst kann ich nicht zu viel dazu sagen, bei dem kurzen Stück. Bei moderner Literatur frage ich mich oft, wieso das berühmt ist und gekauft wird...
siehe z.B. :
David Wagner: Vier Äpfel


Ich fühlte die kalte Abendluft, wie sie mich durchströmte und meinem Körper neue Energie schenkte. in Japan gibt es eine Kraft, die durch den ganzen Körpfer fließt, das Ki. In diesem Moment konnte ich fühlen, wie mein Körper, mein Ki durch die gewonnene Luft einen Kraftschub bekam.

Das Ki gibt es nur in Japan?? ;)
DeathlyPhantom

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am 07.07.2018 um 15:36

@Velorum 
Danach würde eigentlich das nächste Kapitel beginnen. Ich hab nichts besseres zum aufhören gefunden, deswegen eher diese "Zwischensequenz" gewählt.

@Rhijannon
Ich hab das Teil auch gegen 2 Uhr verfasst, da war es mir eigentlich klar, dass sich welche trotz wiederholtem durchlesen einschleichen werden. 

Viele Menschen haben unterschiedliche Interessen, deswegen gibt es auch viele Menschen die sich für eben solche Sachen interessieren und auch kaufen. Da kann man nix gegen sagen. 

Ja das Ki ist generell in Asien verbreitet, ich habe aber Japan gewählt da ich finde, dass es diese Kultur alles in allem gut zusammenfasst. 

Danke für das Feedback! 
Tödlich  Tod
Rhijannon

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am 07.07.2018 um 16:32

@Rhijannon
Ich hab das Teil auch gegen 2 Uhr verfasst, da war es mir eigentlich klar, dass sich welche trotz wiederholtem durchlesen einschleichen werden.


Das ist eine schlechte Entschuldigung, dann musst du halt warten bis zum nächsten Tag und es ausgeschlafen nochmals durchlesen. Ich weiß durchaus, dass man, hat man sowas fertig, es unbedingt sofort teilen will...   aber trotzdem. Außerdem gibt es eine Rechtschreibprüfung.

Ja das Ki ist generell in Asien verbreitet, ich habe aber Japan gewählt da ich finde, dass es diese Kultur alles in allem gut zusammenfasst.

Du hast mich missverstanden, es geht mir nicht um Japan, somdern darum, dass du schreibst, das Ki gibt es in Japan, dann sofort hinterher bemerkst, dass es das hier ja auch gibt...  Du könntest schreiben, in Japan kennt man eine Kraft, das sagt dann aus, dass man sie in Japan kennt, hier nicht so sehr, es sie aber hier auch gibt.
Ich hoffe, du bearbeitest deinen Text jetzt auch, nachdem du Kritik erhalten hast.
DeathlyPhantom

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am 07.07.2018 um 16:54

@Rhijannon
Habe alle Fehler die gefunden wurden korrigiert, das mit dem Ki geändert und ein Paar Absätze eingebaut.
Mal schauen wann ich mich an das erste Kapitel setze um das ganze weiter zu führen ;) 
Tödlich  Tod
Flobo505

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am 08.07.2018 um 14:04

Ich Versuche gerade selber ein Buch zu schreiben ich kann die ersten zwei Seiten schon mal hier rein schreiben es heißt Rache


Das Buch:
Kapitel 1: Die Reise beginnt:Es war ein schöner Tag. Die Sonnenstrahlen fielen auf die kleinen Gräser einer großen Wiese, Die Strahlen spiegelten sich in den feinen Tautropfen wieder und glitzerten wie geschliffene Diamanten. Am hinteren, östlichen Rand der Wiese standen Apfelbäume in einer so großen Zahl das man Jahre brauchte um sie alle zu Zählen. Am westlichen Teil der Wiese erstreckte sich ein riesiger See auf dem sich die Wellen kräuselten und mit einem leisen Rauschen ans Ufer kamen. Der Rest der Wiese erstreckte sich dem Norden hin bis zu den hohen Bergen. Am See steht ein Junge, er heißt Miel, hat halblanges Haar und besitzt eine kräftige hochgewachsene Struktur. Er trägt einen schwarzen Wams, eine braune Hose und schwarze Schnürstiefel. Auf dem Rücken trägt er einen Köcher mit Pfeilen und einen Bogen. Mit Schrecken erinnerte er sich an die große Schlacht, überall Tote, die Schreie der Verletzten welche von Pfeilen und Schwertern schwer verwundet wurden und über ihnen eine ganze Wolke aus tosenden Vögeln. Er war sehr berühmt geworden, er war Kommandant  einer Streitmacht gewesen die so groß war ganz Ameldie zu unterwerfen, Doch jetzt war er ein Niemand Er hatte alles verloren, seine Familie seinen Posten in der Armee. Und alles war nur dank diesen verfluchten Barbaren aus dem Norden. Miel konnte sich nur zu gut erinnern wie die Nordmänner in das Land geströmt waren, sie kamen von so vielen Seiten dass die Armee an hunderten Fronten kämpfen mussten und immer weiter zurückgedrängt wurden, bis es zur letzten großen Schlacht am Schicksalsberg kam. Die Schlacht war verloren und die Nordmänner kamen an die Macht. Während Miel über das vergangene Nachdachte fasste er einen Entschluss, Er würde losziehen und eine Armee zusammenstellen die die der Nordmänner um einiges übertreffen würde. Er spürte wie die Kraft in ihm zurückkahm, Miel wusste dass er jetzt aufbrechen konnte er drehte sich um und schaute auf die Landschaft welche nun vor ihm lag. Wo sollte er hingehen? „Auf jeden Fall nicht nach Norden“ dachte er innerlich. Im Süden lag die nächst größte Stadt. Er lief los nach Osten da er es für die beste Entscheidung hielt. Während er so dahinging meditierte er. Miel ließ alle Gedanken aus seinem Kopf herausfließen. Jetzt sah er nicht nur einen Teil sondern alles was um ihn herum war und passierte. Am Abend kam Miel zu einer einzelnen Baumgruppe, durch das Wäldchen floss glücklicherweise ein Bach und an einem Strauch fand er Beeren, die Beeren waren prall und glühten regelrecht im untergehenden Licht der Sonne. Da Miel durch die Anstrengung des Tages sehr erschöpft war, legte er sich unter einem Baum zur Ruhe. Er war nicht lange in seinem Schlaf versunken da hörte er ein Wiehern er Rieb sich den Schlaf aus seinen Augen. Im ersten Augenblick wusste er nicht wo er war Dann kamen die Erinnerungen des gestrigen Tages wieder. Ein weiteres wiehern weckte seine Aufmerksamkeit. ER packte seinen Bogen, schnallte sich den Köcher mit Pfeilen um und schlich los. Etwa 100 fuß entfernt von seinem Lagerplatz, auf einer kleinen Lichtung tobte ein Kampf. Ein paar graue wölfe griffen ein weißes, unglaublich muskulöses Pferd an. Es hatte schon mehrere wunden am Körper doch es gab nicht auf. Ein Wolf wurde von einem huf getroffen, er wurde weg geschleudert und blieb regungslos liegen. Miel holte einen Pfeil aus seinem Köcher spannte ihn ein und zielte genau auf einen der wölfe, der Pfeil traf den Wolf mitten ins herz. Der letzte der wölfe hob seinen Kopf und fixierte Miel, mit zwei schnellen Sprüngen war der Wolf bei ihm, er hatte keine zeit mehr für einen weiteren Pfeil, also zog er mit einer blitzschnellen Bewegung seinen Dolch und stach ihn in die Brust des fliegenden Wolfes. Miel zog den dolch aus ihm heraus und wischte das blut am gras ab.   
Eine gute Idee erkennt man daran dass sie von vornehin nicht umsetzbar ist.
Faustball

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Faustball


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am 08.07.2018 um 22:36

Schreib dazu am besten ein eigenes Thema.
Diese Signatur wurde entfernt, weil sie nicht den Vorgaben entsprach!
Flobo505

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Flobo505


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am 09.07.2018 um 15:05

dadurch das es (glaube ich ) niemanden interessiert werde ich dafür kein neues Thema schreiben
Eine gute Idee erkennt man daran dass sie von vornehin nicht umsetzbar ist.
DeathlyPhantom

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am 08.08.2019 um 12:23

*clap clap* Wakey wakey. hier kommt Kapitel 1 ;)


Kapitel 1 - Schmerzen und Schwärze
ugh dachte ich mir. Wieso muss es jetzt ausgerechnet so stark regnen?
Ich schaute hoch in den Himmel als würde mein böser Blick irgendetwas bewirken. Schwärze. Ich senkte meinen Kopf langsam wieder und musste selbst wegen meinem Verhalten lächeln. Während "Running in the 90's" durch meinen Kopf fröhlich vor sich hin trällerte, schweiften meine Gedanken ab.
Werden sie meine Bewerbung annehmen? Ich hoffe es klappt bei diesem mal. Bei den vielen verschickten Bewerbungen ging ganzschön viel Papier drauf.
Ob sich wohl noch der Amazonas regenieren wird?
Diese ganzen illegalen Holzfäller machen ja ganz schön viele Probleme.. Kein Wunder, dass so viele nach Amerika flüchten.
Ob wohl Trump Amerika in den Ruin führen wird?
Kim Jong Un ist ja auch ein ganz witziger. Der will doch irgendwas von Putin wegen den Atombomben.


Plötzlich blickte ich auf und konnte gerade noch eine Faust sehen, die mich komplett ins Gesicht traf. "F-" setzte ich instinktiv an, während ich meine Hand schnell zur Nase wandte. Es war ein erblindender Schmerz, als würde eine heiße Klinge mitten in meine Nase stechen. Meine Hand war gerade am Gesicht angekommen als ich einen Tritt gegen den Rücken kassierte. Eine weitere Schmerzwelle fand in meinem Rücken statt als würde mich jemand auf einer Streckbank außeinanderziehen.
Der Schmerz zwang mich auf den Boden. Ich fiel auf die Knie und konnte mich gerade noch mit den Händen von einem kompletten Sturz retten als ich einen dumpfen Schlag auf meinem Hinterkopf registrierte, was mir den Rest gab. Alles tat mir weh und Schmerzwelle nach Schmerzwelle durchzuckte meinen Körper wie Blitze während ich etwas warmes in meiner Gesichtsregion spürte während mein Kopf immer schneller in Richtung Boden flog.
Wird er mich..?
Als mein Kopf auf den Boden aufkam spürte ich es nur ganz am Rande. Meine volle Konzentration galt dem Schmerz, der sich wie eine Schlange durch meinen ganzen Körper zog. Ich drehte meinen Kopf nach links um besser atmen zu können und hörte ein leises "wusste ichs doch.." während mich der mysteriöse Fremde am rechten Arm anfasste.
Wird er mich vergewaltigen? Oder wird er mich einsperren? Wars das mit meinem Leben?
All diese Gedanken schossen durch meinen Kopf innerhalb des Bruchteils einer Sekunde und als sich der Griff um meinen rechten Arm enger zog und ich meine Augen schloss um dem Schicksal entgegen zu treten horchte ich.

Regen. Regen prasselt. Er wäscht mir das Blut aus dem Gesich-"HEY!"
Meine Augen gingen auf.
It's a new way to live, it's a new way to be!
Es war eine andere Stimme als die vom fremden. Schritte in hohem Tempo kamen näher während sich der Griff um meinen Arm lockerte und ich noch rechtzeitig meinen Kopf weiter nach links drehte um nach oben zu schauen und dort eine Gestalt auf uns zurennen zu sehen. Ich hörte vom fremden neben mir einen angestrengten pfeifenden Atem, als würde er durch einen Strohalm aus Metall atmen. "IDIOT!" hörte ich von der zu uns zurennenden Gestalt. Ist das ein Komplize oder tatsächlich jemand?
Hoffnung durchflutete meinen Körper, der fremde neben mir löste den Griff komplett und ging in Richtung der Gestalt zu. Ich versuchte mich trotz der Schmerzwellen auf die Hände zu stützen um eventuell eine Fluchtchance zu bekommen falls es doch Komplizen sein sollten. Während ich mich hochhieb fühlte ich warme Tropfen von meinem Gesicht herunterlaufen. 

Blut.
Refrain.

Ich kam wieder auf die Knie und die Schmerzen fingen langsam an immer in schwächeren Schüben zu kommen. Ich blickte erneut nach links und sah, wie zwei gestalten sich im unnormalen Geschwindigkeiten entgegen rannten. Ist das ein Ritual? Und sie trafen zusammen. Es war ein schrecklicher Zusammenstoß und ich konnte spüren, wie bei beiden Knochen brachen. Ich zuckte und sah, dass sich die zwei Gestalten anscheinend prügelten. Ich blickte für die wahrscheinlich längsten drei Sekunden meines Lebens in Richtung zwei prügelnder Gestalten und sah dies als Einladung an zu fliehen. Ich stellte mich auf die Beine. Unter immer kleineren Schmerzschüben war es immer leichter mich zu kontrollieren. Ich war in der Hocke als ich hörte, wie sich mir Schritte nährten. Eine der Gestalten kam mit dieser irrsinnigen Geschwindigkeit auf mich zugelaufen.
Ist diese Geschwindigkeit normal
Ich sprang auf und anscheinend war zu wenig Blut in meinem Kopf, denn dieser entschied mich direkt in den Shadow Realm zu schicken. Ich stolperte also während sich meine Sicht langsam wiederherstellte und ich hörte "Nein, das lässt du schön sein!" von der anderen, der weichen, der guten Stimme? Sie war nicht fern und ich fühlte mein Ende schon wie die dicke Luft in jenen Sommertagen. Gleich würde wieder ein Schlag auf meinen Hinterkopf kommen und ich würde wieder umfallen und man wird mich zu zweit vergewaltigen.
Ich lief in die Richtung von einer Straßenlaterne und fühlte, wie mich jemand an den Knöcheln packte. Der Griff war so schmerzvoll und irgendwie doch so.. befreiend?
Hier läuft etwas gewaltig Schief.
Ich versuchte mich vom Griff zu befreiend und drehte mich um, aber sah schon eine Gestalt in meine Richtung rennen oder nein.. fliegen? sie flog förmlich, so schnell war sie und ich spürte ein leichtes Ziehen in meinem Knöchel. Ich probierte mich immer noch zu befreien aber die Gestalt war bei mir angekommen und ich spürte einen enormen Druck von zwei Händen an meinen Schultern. "Nein! Lasst mich los! Ihr-"

Schwärze.
Schwarz.
Befreiende Schwärze.
Gute Schwärze?

Stille Schwärze.

Keine Schwärze mehr. Meine Augen waren offen und ich lag in einer Gasse umgeben von Mülltonnen. Die Luft. Oh Gott die Luft...
Die Luft war.. anders. Und es regnete nicht mehr. Win?
"Fuck.." hörte ich mich selbst sagen ohne es gewollt zu haben. Wo bin ich? War ich so betunken letzte Nacht? denn es war Tag und ich habe keine Ahnung wo ich bin. Erst jetzt hatte ich mich tatsächlich auf meine Umgebung konzentriert und ich war umringt von Hochhäusern. Jedenfalls in dieser Gasse. Ich blickte hinaus aus der Gasse und sah einen schwarzen Fluss. Nein eine schwarze Wand. Nein eine schwarz gekleidete Menschenmasse. New York?
Diese ganzen Hochhäuser erinnerten mich an New York. Was haben die mit mir angestellt?
Ich bemerkte meinen MP3-Player in meiner Tasche während ich mich versuchte aufzurichten. Meine Ohrstöpsel waren rausgefallen und der MP3 Player lief auch nicht mehr. Ich steckte die Ohrstöpsel in meine Tasche zurück und begab mich zum Ausgang der Gasse um in Erfahrung zu bringen wo ich denn überhaupt bin.

Während ich der Straße immer näher kam, bemerkte ich, dass die Gebäude hier nicht sehr betonmäßig aussahen sondern mehr glänzten. Wo zum Teufel bin ich?
Bin ich in einem Koma?


Ich war auf der Straße und Tatsache. Dort war ein Fluss von Menschen, die schwarz gekleidet waren. Sie waren sehr schwarz gekleidet, denn ich konnte nichtmal ein Gesicht ausmachen.
Ich muss herausfinden, wo ich bin.
Ich ging näher zu den Menschen und ich konnte immer noch keine Gesichter ausmachen aber das könnte daran liegen, dass sich die Menschen verdammt schnell bewegten. Das erinnerte mich an diese eine Kreuzung in Tokyo nur, dass die Straßen komplett befüllt waren und alle in einem schnellen Tempo vorangingen. Die Menschen achteten garnicht auf mich.
Soll das die Menschen darstellen, an denen ich schon vorbeigegangen bin ohne davon Notiz zu nehmen? Ist das die erste Verarbeitung meines Komas?
"Entschuldigen Sie..", "Ehm entschuldigung?", "Mister, könnten Sie mir.."
All das half nichts, die Menschen namen keine Notiz von mir. Ich war planlos und während ich nach einem Menschen suchte, der mich vielleicht beachten könnte, sah ich bei den vorbeigehenden Menschen in der Augengegend leuchtende Lichter. Lichter in verschiedenen Farben. Komplett schwarze Menschen mit Lichtern als Augen.

Lichter, die das Schwarze erhellen

Ich wandte mich ab und erblickte am Ende der Straße 3 Menschen stehen. Sie schienen miteinander zu sprechen. Das ist meine Chance.
Ich bewegte mich auf die 3 Menschen zu während ich mich umsah. Die Gebäude hier waren viel zu futurisitsch, als dass sie New York sein könnten. Teilweise bestanden welche komplett aus einem silbrigen Material und andere wiederrum waren pechschwarz. Es war eine Mixtur ohne wirklicher Konsistenz.
Ebenfalls ein Produkt meines Komas?
Es muss ein Koma sein, anders kann ich mir das nicht vorstellen.

Ich war den 3 Menschen sehr schnell sehr nahe gekommen und ich traute meinen Augen nicht. Rechts von mir war immer noch der Menschenfluss und wahrscheinlich habe ich das nicht erkannt wegen der Geschwindigkeit und der Anzahl der vielen Menschen aber bei diesen dreien war etwas ganz anders.
Es sind keine Menschen.
Es waren Wesen, die wir mir erschien komplett aus Rauch bestanden. Sie hatten ähnliche Konturen wie die eines Menschen aber es war überall Rauch. Es war wie ein Mensch an dem Rauch klebte. Es war kein normaler Rauch. Er war..

Schwarz.

Ich kam nahe und die drei.. Wesen blickten alle gleichzeitig auf. Alle hatten andere Lichterfarben. Links stand jemand mit hellblauen Augen, derjenige in der Mitte hatte dunkelorangene und der rechte hatte dunkelviolette.
Ich schluckte und nahm 3 weitere Schritte.
Der rechte hatte verschränkte, rauchige Arme.
Ich nahm einen weiteren Schritt.
Der rechte entschränkte seine Arme.
Macht er sich bereit zum Kampf?

"Du bist nicht von hier." sagte jemand von den dreien. Es war eine markerschütternde Stimme, als würde man mit einer Gabel über die Legierung eines Autos kratzen und dabei noch durch eine Blechröhre heiße Luft blasen.
"Das weiß ich. Kann mir jemand von euch sagen, wo genau ich hier bin?" "Ich habe noch nie sowas gesehen" sagte scheinbar der mittlere mit einer noch schlimmeren Stimme, als würde man eine bereits aufgeplatzte Wunde mit einer Schere schälen. "Ich schon." sagte scheinbar der rechte. Seine Stimme war die angenehmste von allen. Sie klang als würde man eine Metallstange in einem Ventilator verheddern und die Rotorblätter des Ventilatoren würden schnell gegen die Metallstange schlagen. "In dem verbotenen Abteil der Bibliothek gibts ein Buch über verschiedene Arten, die uns vielleicht gefährlich sein könnten und dort waren nicht fern von den Pletoniern eine Spezies namens Menschen aufgelistet."
Verbotener Abteil in einer Bibliothek?
Andere Spezies?
Also sind das tatsächlich keine Menschen. Mein Gehirn spielt mir einen guten Streich hier.

"Ja, ich bin ein Mensch. Kann man mir jetzt bitte sagen wo ich bin?"
"Menschen sagst du? Als wie gefährlich waren die denn dort aufgelistet?" fragte der mittlere mit der schlimmsten Stimme "Absolut ungefährlich. Die sollen angeblich nichtmal wissen was ein Helixkristall ist, wenn man einem einen zuwirft." Mich nervte, dass sie mir scheinbar nicht zuhörten und ich verdrehte meine Augen während ich meinen Arm anhieb um auf die rechte Rauchgestalt zu zeigen. "Du. Kannst du mir sagen wo wir sind?"
Das dunkelviolette Licht, welches wohl als Augen diente, weitete sich und wir starrten uns an. Der Rauch im Gesicht von dem Wesen schien nach hinten hin zu laufen, wo er dann einige Centimeter nachdem er die Statur verlassen hat einfach ins nichts verschwindet.
"Wenn du es ganz genau wissen willst: Wir sind auf der 26. Hauptstraße, die die Außenschichten verbindet." sagt es schnell mit der sehr komischen Stimme. "Ne, ich meine-" "Auf welchem Planeten wir sind?" unterbrach mich der linke. "Natürlich willst du das auch wissen, schließlich gibts hier keine Mensch's und du bist der erste Mensch, dem wir begegnen. Dementsprechend lebt ihr höchstwahrscheinlich auf einem anderem Planeten!" Das gesagte hörte sich so unstimmig aber gleichzeitig so fließend an. Ich hielt meinen Mund offen weil ich mal wieder unterbrochen wurde "Ehh.. Ja.. ja genau." sagte ich während einem ein klein wenig zu energischem nicken.

"Willkommen auf dem Planeten Exidius. Heimat der Nachtschatten." sagte der rechte.
Anderer Planet? Andere Spezies? Na das wird mal ein tolles Koma.

"Ich glaube du solltest wirklich nicht hier sein. Schließlich werden hier eigentlich keine anderen Spezies toleriert" sagte der rechte. Ich schaute zu ihm. Das Aussehen von diesem Wesen war so surreal. "Wie kommt man wieder hier weg?" fragte ich und ich sah direkt, dass alle drei sichtlich bestürzt waren. "Garnicht?" "Wir wissen es nicht. Wir haben noch nie probiert von hier weg zu kommen.." sagte der linke.
Noch nie probiert von hier weg zu kommen. So trostlos wie es hier ist wundert mich das.
"Ich glaube wir können dich zu unserem Versteck mitnehmen. Dort kannst du für einige Zeit verweilen bis wir eine Lösung für dich gefunden haben" sagt der rechte und schaute dabei die zwei anderen an. "Ja, das kann man machen" "Jo ich hätte nix gegen" sagten die beiden anderen. "Das wäre aber sehr nett von euch" sagte ich aus Höflichkeit obwohl ich nicht wirklich wissen wollte, wie so ein Versteck von einem Wesen aus Rauch aussieht.
"Komm mit." sagten alle drei im Einklang und gingen dabei los. Ich konnte ihnen kaum folgen, da sie ein ziemlich hohes Tempo drauf hatten. "Und ihr seid also Nachtschatten?" fragte ich mit sichtlichen Problemen bei dem Tempo mitzukommen vorallem da mein Rücken immer noch leicht schmerzte. "Jep. Wir sind die beste Spezies von allen!" sagte der nun rechte obwohl es davor der linke war. "Du Idiot. Unsere Spezies hat genug Scheiße getrieben und treibt immernoch genug Scheiße um eigentlich für immer in die Hölle verdammt zu werden." sagte der nun mittlere obwohl es der rechte war
Das ist mal eine Ansage
Darüber waren die beiden anderen anscheinend ziemlich empört denn es sagte keiner mehr etwas.

Wir nährten uns einem.. Wald? Es war ein ziemlich dunkelvioletter Wald. Offensichtlich der Rand der Stadt. "Wir sind fast da!" sagte derjenige mit den dunkelorangenen Augen.
Endlich
Während wir dem Wald immer näher kamen blickte ich zurück und sah nochmal den "Nachtschattenfluss" bevor wir hinter einem ziemlich morschem Baum verschwanden. Mein Blick fokussierte sich ab da an immer auf die Wurzeln um nicht hinzufallen. Die Wurzeln waren sehr groß und sahen ebenfalls ziemlich morsch aus und hatten so einen dunkelvioletten ton als wären sie vergiftet. Wir gingen den Wald entlang und nach nichtmal einer Minute kamen wir zu einem Hügel. Wir nährten uns dem Hügel und plötzlich erschien dort eine Tür. Ich schloss meine Augen und öffnete sie wieder und die Tür war immer noch da. "Ist die Tür gerade einfach aus dem Nichts aufgetaucht?" fragte ich und anscheinend war meine Frage ziemlich komisch denn die drei Nachtschatten fingen and Töne von sich zu geben was ziemlich ähnlich zum lachen war. "Nein, das ist einfach ein simples Tarnsiegel" sagte der mit den hellblauen Augen während der mit den dunkelvioletten Augen die Tür auf machte.
Offenbart wurde mir ein sehr dunkler Raum. Ich konnte nichts sehen, so schwarz war das ganze.
"Na los, geh rein." sagte der Nachtschatten mit den dunkelorangenen Augen und ich betrat die Schwärze.

Schwärze.
Schwarz.

Gute Schwärze?
Stille Schwärze.


Kapitel 1 Ende.

Phu das hat jetzt etwas länger gedauert das hier zu schreiben. Ich versuch hierdran ein bissl regelmäßiger zu arbeiten.
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am 09.08.2019 um 13:33

Interessantes Buch:)
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am 22.08.2019 um 00:47

Kapitel 2 – Erklärung bitte?
 
Warum sprechen die deutsch?


Dieser Gedanke sprang mir instinktiv in den Kopf als ich das dunkle Versteck der Nachtschatten betrat. Wird das hier eine Falle? Dachte ich als sich kleine Lichter an der Decke bemerkbar machten. Sie spendeten kaum Licht, kamen von 4 Seiten und waren vielleicht von der Größe her vergleichbar mit Murmeln als sich mehr Lichter aktivierten und immer näher in die Mitte des Raumes wandelten bis sich dann wo sich alle Lichter trafen ein großes Licht aktivierte, welches den Raum in einem Neon-artigen blauen Schein wandelte. Ich war fasziniert von der Farbe und ich sah den spärlich eingerichteten Raum vor mir.

Er hatte einen Durchmesser von vielleicht 5 Metern mit einem Boden, der aus diesen komischen, morschen lilafarbenen Bäumen, die draußen die Sicht auf das Versteck versperrten, bestehen musste. Die Wände bestanden aus einem ähnlichen Holz, wurden aber mit verschiedenen eingeritzten Symbolen geschmückt wobei mir eines direkt in die Augen fiel, da es sehr groß war. Es sah ähnlich aus wie eine umgedrehte und in zwei geteilte Flamme wobei ich direkt an das in zwei geteilte Herz-Emoji denken musste.

In der Mitte des Raumes befand sich etwas, was ähnlich wie ein Steinpodest aussah. Der Stein war weiß und ich musste an Marmor denken als ich bemerkte, dass die obere Fläche aussah wie eine Feuerstelle, da sie sehr dunkel und wahrscheinlich voller Ruß war. Direkt hinter dem Podest war ein Holzpfahl, der wohl als Stütze diente damit das ganze Versteck nicht zusammenbrach.

Auf der linken Seite war ein ziemlich in die Länge gezogener Tisch. Er stand fast an der ganzen Wand entlang und dort lagen Werkzeuge, Muscheln, viele verschiedene Bücher und etwas, was wie Pergament aussah. Es waren außerdem 3 Stühle sorgfältig an den Tisch angeschoben. Auf der rechten Seite waren drei Schlafplätze, die ziemlich spartanisch aufgebaut waren. Die Matratzen, wenn man das überhaupt so nennen konnte, bestanden aus dem ebenfalls lilafarbenen Gras, welches draußen wuchs. Es schien ausgetrocknet und nicht wirklich bequem. Auf dem „Heu“ lagen schwarze Bettdecken und es war keine Spur von Kissen zu sehen.

„Willkommen, in unserem Versteck!“, sagte der Nachtschatten mit den blauen Lichtern als Augen. Er, oder es lief an mir vorbei, schob einen Stuhl vom Tisch und ließ sich mit einer unvorstellbaren Eleganz auf diesen nieder wobei ich immer noch auf diese so surreal wirkende Gestalt starrte. Diese unglaublich surreale Gestalt, bestehend aus anscheinend festem Rauch, da sie ja Dinge bewegen und halten konnte, war so sehr hier und doch sagte mir mein Verstand Nein! Die sind nicht real! Du musst hier schleunigst weg! Aufwachen! und ich mir unaufhörlich in Erinnerung bringen musste, dass dies hier alles nur ein Koma ist. Hoffentlich. Hoffentlich?

Ich konnte meinen Blick von dem Nachtschatten abwenden und machte einen weiteren Schritt nach vorne als der Nachtschatten mit der schlimmsten Stimme „Fühl dich ganz wie zu Hause. Wir beißen auch nicht“ sagte und an mir mit enormer Geschwindigkeit vorbeiging, sich ebenfalls einen Stuhl heranzog und sich mit derselben Eleganz wie sein Vorgänger niederließ.
Ich blickte hinter mich und sah den Nachtschatten mit den dunkelvioletten Lichtern als Augen. Es war gerade dabei die Tür wieder hinter sich zu schließen.
Ich ging langsam zu dem Podest um ihn mir genauer anzuschauen. Dort war tatsächlich eine dunkle Stelle aber das was ich als Ruß annahm war kein Ruß, sondern ein Schriftzeichen. Es war eine etwas wellige römische Eins mit einem längeren unteren Strich. „Was bedeutet dieses Symbol?“ fragte ich beim aufschauen. Es schwiegen alle bis sich der Nachtschatten hinter mir einschaltete. „Eine simple Energie-Rune“, sagte er während er(?) langsam an mir vorbeiging und auf die Bücher, die auf dem Tisch lagen, zusteuerte. „Runen sind lustige Spielzeuge. Habt ihr bei euch keine?“ fragte es, während es das oberste Buch vom Stapel nahm und sich ebenfalls einen Stuhl heranzog um sich hinzusetzen.

Runen? Natürlich haben wir Runen bei uns aber eher doch nur für Dekoration?

„Wir nutzen die Runen als Dekorationselemente“ erwiderte ich mit einem unschuldigen Schulterzucken was auch so viel ausdrücken sollte wie Ich weiß auch nicht weiter.

„Ihr seid komisch“ sagte der Nachtschatten mit den hellblauen Lichtern und beugte sich vor „Funktionelle Runen gibt’s bei euch nicht?“ „Und ich dachte wir hätten den Kürzeren gezogen.“ Sagte der Nachtschatten mit den dunkelorangenen Lichtern schnell und tat etwas was einem Kopfschütteln glich. Ich verlagerte mein Gewicht auf einen Fuß und dann wieder auf den anderen. Das tat ich bisher immer, wenn ich unsicher war, und diesmal war es auch der Fall. „Also Runen werden hier genutzt um Energie zu kanalisieren und in etwas nützliches umzuwandeln…“ fing der Nachtschatten mit den dunkelvioletten Augen an und stand dabei auf. Er bewegte sich langsam auf den Podest zu, wo ich immer noch stand
„…Diese Rune hier ist eine der simpelsten. Man muss wenig Energie aufwenden um etwas herauszukriegen. Wir nutzen sie um…“ es hörte abrupt auf zu sprechen und legte eine rauchige Hand auf diese Rune. Ich schaute auf die Hand und konnte leicht Konturen von Fingern ausmachen aber der von der Hand abweichende Rauch lies diese Konturen schnell wieder verschwinden. Als der Nachtschatten die Hand wieder wegnahm hörte ich einen leisen Luftschnapper von mir aber ich konnte mich nicht daran erinnern das getan zu haben- auf dem Podest war eine energiereiche Flamme. Sie loderte in wundervollem hellorange bis gelb, tanzte wild um sich her als würde sie einen herausfordern und hatte schon fast eine hypnotisierende Wirkung.
„Es gibt weitaus komplexere Runen aber wir nutzen die hier um Feuer zu machen, da wir ziemlich viele Experimente nur damit machen.“, erklärte mir der Nachtschatten mit dunkelvioletten Augen. „Warum habt ihr denn den kürzeren gezogen, wenn ihr sowas machen könnt?“ fragte ich verwundert. Der Nachtschatten mit den orangenen Augen zeigte auf den Nachtschatten mit den dunkelvioletten Augen, der immer noch vor mir stand, und fing an „Dieser gute Junge-„ Junge? Also gibt es Geschlechterunterteilung bei den Nachtschatten? „-hat von seinen Bibliothekstrips viele Informationen mitgebracht.“, er(?) ließ die Hand sinken,
„Laut ihm soll es diverse andere Spezies geben, die ihre Energie ohne jegliche Runen kanalisieren können sollen.“

Ohne Runen? Heißt das etwa…?

„Bedeutet das sie können sowas wie Feuer einfach auf… auf ihren Händen erschaffen?“ fragte ich verdutzt und hörte daraufhin ein Geräusch als würde man einen Haufen nasser Wäsche auf den Holzboden fallen lassen. Das Geräusch stammt von dem Nachtschatten mit den dunkelvioletten Augen und…. er hatte sich auf eines der Betten gelegt.
„Wir wissen es nicht. Allgemein wissen wir viel zu wenig und das einzige was wir tun können ist vermuten und Theorien aufstellen.“ Sagte der liegende Nachtschatten und ich musste impulsiv an den Tritt gegen meinen Rücken denken, der viel zu lange zurückliegt obwohl es weniger als eine Stunde her ist seit dem Vorfall.
Mein Rücken schmerzte nichtmehr und ich habe mir die Blutkruste auf dem Weg zu diesem Versteck abwischen können.

„Allgemein wissen wir nicht viel…“ was hat das zu bedeuten? Sind sie einfach faul oder- nein das kann nicht sein, da es doch Bibliothek hieß. Gibt es Informationsmangel? Sind ihre Bibliotheken verbrannt und das ganze Wissen ist verloren gegangen? Woher kennen die Deutsch?Warum kann eine Spezies von einem scheinbar anderen Planeten mit mir kommunizieren? Das ergibt keinen Sinn!

Ich stand weiterhin beim Podest und zerbrach mir den Kopf und dann kam die Frage einfach aus meinem Mund: „Warum kann ich mit euch kommunizieren?“
Ich merkte, wie ich angeschaut wurde und jetzt gab es hier kein Zurück mehr. „Ich meine warum könnt ihr mich verstehen? Ich bin von einem komplett anderen Planeten und trotzdem spricht ihr meine Sprache.“

Schätzchen du bist in einem Koma. Natürlich sprechen die deine Sprache.
Der Nachtschatten mit den orangenen Augen stand sehr energisch auf und stürmte auf die Tür zu. Ich konnte ihm gerade so ausweichen, da er(?) mich sonst umgeschmissen hätte und ich hörte von dem Nachtschatten mit den dunkelvioletten Augen „Eins zu Null für mich!“ Ich schaute schnell zu ihm(?) rüber und sah, wie er seinen Arm hochgehoben hatte und auf den Nachtschatten zeigte, der gerade die Tür hinter sich zuschlug.

Jetzt verstehe ich eindeutig garnichts mehr.

„Ich hab mit dem Typen eine Wette.“, fing der Nachtschatten mit den dunkelvioletten Augen an und setzte sich dabei auf, die Hände auf dem Bett stützend. „Ich habe ihm verbotenen Abteil der Bibliothek extrem alte Dokumente gefunden die über etwas sehr Altes berichteten. Es war kaum lesbar, weil die Schriften nicht mal klar konjugiert waren.“ er gab ein Geräusch von sich, was man mit einem kichern vergleichen kann. So weit ein kichern, welches sich anhört wie ein kaputter Ventilator, kommen kann.
„Jedenfalls stand in diesen Dokumenten etwas darüber, wie etwas vor Jahrtausenden durch einen Pakt etabliert wurde, damit es kein Kommunikationsproblem mehr gibt. Ich hab das Dokument hier her gebracht und mit meinen Freunden, also…“ es zeigte auf den Nachtschatten mit den hellblauen Augen, der mittlerweile wieder zurückgebeugt war und bequem im Stuhl saß. „Und demjenigen, der gerade raus ist, besprochen. Er-“
Er?
„war davon überzeugt, dass es etwas Simples war wie eine leichte Sprache oder klare Symbole. Was hattest du dir nochmal überlegt?“ Die Frage war offensichtlich an den anderen Nachtschatten gerichtet. Die beiden schauten sich an und ich setzte mich langsam in Bewegung in Richtung Stuhl um mich hinzusetzen, da sich meine Beine ziemlich steif anfühlten. „Ich dachte an allgemein etablierte Gesten und ebenfalls an etwas ähnliches wie Runen.“ Sagte der Nachtschatten mit den hellblauen Augen anschließend.
„Genau!“ sagte der jetzt wieder liegende Nachtschatten.
Ich hatte den Stuhl erreicht und er sah wirklich gut aus. Er war ebenfalls aus dem lilafarbenen Holz hergestellt aber es machte keinen Unterschied, da die Verarbeitung Meisterhaft war. Ich drehte mich um, um mich hinzusetzen.
„Jedenfalls kam ich dann auf die Idee, dass es etwas weitaus bedeutenderes, Großflächigeres gewesen sein musste. Da sich unsere Spezies laut Büchern sehr gut mit gedanklichen Manipulationen auskennen soll, dachte ich an etwas wie einen bestimmten Effekt auf das Gehirn sobald man innerhalb eines bestimmten Bereichs ist. Eine Art Sprachdownload in das Bewusstsein, damit man alle Sprachen, die registriert sind, so versteht als wäre es eine eigene Sprache.“

Der Stuhl fühlte sich unglaublich bequem an.
Wie kann ein simpler Holzstuhl so bequem sein?

„Ich habe also diese Idee geäußert und der andere meinte dann »Ne das kann nicht sein. Ich wette mit dir um eine Sammelkarte von Ynchvîésç. Wenn du Recht haben solltest, bekommst du meine und anders herum weißt du wie der Spieß läuft.« und ich hab da natürlich eingewilligt, da ich mir natürlich ziemlich sicher war und jetzt weißt du ja wie es verlief.“
Mein Mund war offen, da er die Stimme von dem Nachtschatten mit den orangenen Augen perfekt nachgemacht hat. Man konnte keinen Unterschied merken.


„Du bist der lebendige Beweis für die Bestätigung meiner Theorie. Wir haben nämlich keine Ahnung von der Menschensprache und ich bin mir ziemlich sicher, dass du keine der Hoheitssprachen von Exidius beherrschst. Oder beherrschen solltest.“
Ich war komplett verwirrt. Durch die Fragerei haben sich noch mehr Fragen in meinem Kopf aufgetan und ich fühlte mich von Gehirn leicht verarscht.

Ist das extra so oder einfach nur ein sehr blöder Unfall?

Ich legte meinen Kopf in meine Hand und mich überkam eine plötzliche Müdigkeit. Sie überschwemmte meinen Körper förmlich wie ein Tsunami und zwar so heftig, dass ich mich nicht erinnern kann wann ich das letzte Mal so müde war. Es war viel zu lange her und mein Körper verlangte nach Schlaf. Ich schaute auf und fragte „Darf ich mich vielleicht hinlegen? Mir… ich bin wirklich müde.“
„Ich glaube ich gehe“ sagte der Nachtschatten, der neben mir saß und stand auf.
„Klar. Du kannst dich in mein Bett legen. Wir übernachten eh nichtmehr hier.“
Diese Worte erfüllten mich mit Freude und ich bemerkte nur leicht am Rande, wie die Tür erneut zufiel.
„Warte bevor du gehst…“ fing ich an und stand dabei auf. „Ja?“ fragte mich der Nachtschatten
„Wie heißt du? Nutzt ihr überhaupt Namen?“ fragte ich, da ich gemerkt habe, dass bei den Gesprächen keine einzigen Namen genannt wurden außer dieser komischen Sammelkarte.
Der Nachtschatten schwieg einen Moment.
Hab ich etwas falsches gefragt?
„Wir nutzen Namen, ja, aber wir sagen fremden unseren Namen nicht. Du scheinst mir zwar friedlich aber ich kann dich nicht einschätzen. Wir achten auf Namen, da sie zu unserer Personalität gehört und das ist eine der wenigen Sachen, die uns von anderen trennt. Es ist eine ziemlich private Sache. Meinen Namen wirst du wissen, sobald ich dir vertraue.“ Er stand auf und ging zur Tür.
„Ich komme nach dem Sonnenaufgang zu dir und wir besorgen dir dann etwas Energie. Du… verträgst keine Seelen, oder?“
Ich schaute erschrocken auf. Er stand hinter mir und ich konnte ihn nicht sehen. Mein Herz fing an wild zu pochen, bereit darauf wegzurennen oder anzugreifen. Seelen? Seelen?!

„Nein?“ sagte ich mit einer zittrigen Stimme und drehte mich langsam um.
„Perfekt, dann nehm ich das gute! Wir fangen uns ein paar lebende Muscheln. Das Fleisch kannst du dann haben. Bis morgen.“ Er schloss die Tür hinter sich und ich ließ mich auf das Bett niedersinken.
Nachtschatten sind komisch.
Tödlich  Tod
DeathlyPhantom

[Kaiser]

DeathlyPhantom


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am 02.10.2019 um 14:41

Kapitel 3 – Erklärungen!
 
Ich legte mich in das Bett, welches erstaunlicherweise gemütlicher war als es aussah. Die Decke fühlte sich ebenfalls gut, jedoch etwas rau an. Ich merkte erst als ich mich mit der Decke eingewickelt hatte, dass ich immer noch die verdreckten Kleider von der Feier an hatte und musste mich unwillkürlich an den „Unfall“ erinnern.
 
Bin ich in einem Koma? Ich hoffe es, denn wenn das hier die Wahrheit ist, ist mein ganzes Leben auf den Kopf gestellt. 
Während ich die Müdigkeit über mich ergehen ließ merkte ich kaum, dass die Lichter langsam ausgingen und meine Gedanken immer weiter in die unendlichen Tiefen meines Gehirns weichten. Ich war in einer wundervoll kuscheligen Decke eingehüllt und sie bestand komplett aus Federn.
 
Federn? Nein das sind keine Federn, das sind Giraffen! Ich liege in Giraffen! 
Und tatsächlich waren es Giraffen. Ich war auf Giraffen und seilte mich von dem Hals ab, der so lange war wie ein Hochhaus. Ich nutze ein Kletterseil und seilte mich von dem Hals ab als wäre es eine einfache simple Klettermission. Ich zog mitten während dem Prozess eine Waffe und schaute auf. Es war eine vage Gestalt und instinktiv merkte ich, dass es etwas schreckliches sein musste. Das Blut gefror mir in den Adern, denn dieses Ding welches dort stand hatte nichts Positives an sich. Es war nur da um Hass zu verbreiten und genauso sah es so aus. Ich drehte mich um und rannte in die Ferne. Ich rannte an vielen verschwommenen Häusern vorbei, ich rannte und schaute nach rechts. Ich sah das verschwommene Gesicht von Ben, der sich neben mir her bewegte. „Du hier? Ich dachte du wärst sicher nach Hause gekommen“ fragte ich und Ben schmunzelte einfach nur und sah erneut zu mir hinüber. Seine Augen verformten sich und sein Gesicht begann wie Wachs vom Schädel zu schmelzen und er brachte in einer tiefen, verzerrten, ja fast schon gruseligen Stimme „Ich bin dein größter Alptraum!“ heraus. Sein Wachs blähte sich auf in Tentakel von einem Außerirdischen und er wurde zu einem Predator aber ich musste lachen, da Ben garkein Predator sein könnte. Es war unmöglich und der Gedanke, dass er mir etwas böses antun könnte war einfach zu irrsinnig, zu unnormal, zu komisch. Ich lachte und lachte unentwegt während ich immer noch von der Gestalt wegrannte. Was war das überhaupt für eine Gestalt? Ich drehte mich um und sah das Ding mir entgegenkommen. Es war ein weißes Dollarzeichen innerhalb eines runden gelben Kreises.
 
Oh nein! Es demonetarisiert mich! Ich werde nirgendswo mehr vorgeschlagen! Nein meine Existenz muss garantiert bleiben! 
Meine Existenz war mir sehr wichtig. Ich wollte nicht hier sein und sah einen Ausgang. Es war ein kleines Loch, nein es war eine Grube, nein es war ein Fluss? Nein es war ein niedergefallenes Hochhaus. Genauso ein Hochhaus kam mir gerade gerecht. Es war genau das was ich brauchte. Ich sprang in das Hochhaus und durch die Wucht mit der ich auf das Hochhaus ankam, schlitterte es einen Abhang hinab mitten in einen gigantischen, schwarzen und bedrohlich wirkenden See.
 
Ich kann aber schwimmen. Wasser ist meine Stärke! 
Also kam ich dem See mit einer rasanten Geschwindigkeit und offenen Armen entgegen und als ich in den See fiel, fiel ich nicht ins Wasser, sondern ich fiel durch ein Portal in eine andere Welt! Ich war nicht mehr ich, ich war etwas Fliegendes.
 
Ich bin ein Vogel! Endlich kann ich allem entfliehen, was mir Probleme macht! Endlich bin ich Frei! 
Doch ich flog zu nahe zur Sonne und meine Flügel begannen zu Schmelzen. Sie waren aus Wachs und Wachs verträgt sich nicht mit Wärme. Genau das durfte Ikarus erfahren und ich war nun sein Nachfolger. Ich würde die gleichen elendigen Sekunden des Falls ins Meer erleben und dann aufkommen und mir wahrscheinlich jeden einzelnen Knochen im Körper brechen, aber wenigstens würde man mich begraben und eine Insel nach mir benennen. Wenigstens würde man um mich trauern und ich wäre nicht so schnell vergessen. Ich sah das dunkle Wasser immer näherkommen. War es ebenfalls ein Portal in eine andere Welt? Wird mein Schicksal doch nicht so simpel sein? Ich bereitete mich auf den Impact vor und…
 
BUZZ 
„Ach verdammt“ hörte ich jemanden sagen. Oder mich?
 
Och ne hab ich schon wieder meinen Wecker verschlafen? 
Und plötzlich saß ich aufrecht. Es war überall dunkel um mich herum
Was zum Teufel?! Wo-
Und dann brachen die Erinnerungen über mich. Ich konnte mich erneut an das Zusammentreffen mit den Nachtschatten erinnern, an die Erzählungen und vor allem daran, dass ich auf diesem dämlichen Planeten war.
Aber was war das für ein Geräusch?
Und kurz darauf wurde meine Frage beantwortet. Die Tür wurde mit etwas zu viel Kraft aufgestoßen und es brach flutendes Sonnenlicht in das Versteck. Ich hielt mir instinktiv eine Hand vor den Kopf damit ich nicht erblindete und musste nach Luft schnappen.
„Wer ist da?“ fragte ich mit einer viel zu nervösen Stimme. Im Türrahmen tauchte eine Gestalt auf, die wie ein Mensch aussah. Konnte es sein? Konnte es ein Mensch sein, der gekommen war um mich zu retten? „Keine Sorge, ich bins.“ Das altvertraute Ventilatorrattern ertönte, welches Worte bildete, die ich erst nach ein paar Sekunden verstand. Ich war noch zu benommen vom Schlaf um schnell denken zu können und so dauerte es einen Moment, ehe ich verarbeiten konnte was das bedeutete.
„Ah… Ja tut mir leid ich bin noch etwas verschlafen. Was war das für ein Geräusch vorhin?“
Der Nachtschatten schwieg und trat etwas weiter hinein ins Versteck um die Tür zu untersuchen. Meine Augen gewöhnten sich an die Helligkeit und ich sah nun klarer, dass es der Nachtschatten mit den dunkelvioletten Augen war. Er duckte sich und befasste sich mit dem unteren Türscharnier. Ich packte die Decke von meinen Beinen weg und hörte ein lautes Knurren in meinem Magen.
 
Verdammt. Ich hab schon seit dem letzten Abend nichts mehr gegessen. Ich muss schleunigst etwas finden, sonst werde ich hier noch draufgehen. 
Ich legte eine Hand auf meinen Magen mit der Absicht das Knurren zu verdecken, damit es der Nachtschatten nicht hören konnte. Entweder es klappte oder er achtete nicht darauf. Ich blickte mich in dem Raum um und mit dem einstrahlenden Sonnenlicht sah der Raum doch wieder anders aus als es gestern mit dem blauen neonartigen Licht der Fall war. „Die Tür hat das zuknallen nicht auf die leichte Schulter genommen. Sie will sich jetzt nichtmehr so leicht öffnen…“ er pausierte einen Moment und rüttelte etwas heftiger und man hörte ein Geräusch als würde Luft ein Vakuum ausfüllen. Ein grandioses PLOPP beim öffnen einer verkorkten Weinflasche. „Na siehste, das Baby läuft wieder.“ Er stand aufrecht auf und schaute mich an. Er hatte eine Tasche von der Schulter hängen, die so aussah wie die Stofftaschen vom Rewe, nur war diese komplett Schwarz und hatte ein weißes Symbol auf der Seite. Ich konnte es nicht ausmachen, da die Sonne direkt darauf schien. „Alles klar. Komm wir gehen rüber zum See und fangen uns unser Frühstück.“
 
Frühstück würde mir ziemlich gut passen. Ich verhungere förmlich. 
Und wie auf Befehl gab mein Magen ein lautes Knurren von sich. Ich nickte und begab mich auf den Weg zur Tür. Sicherlich kann man auf dem Weg dem Nachtschatten noch ein paar Fragen stellen. Ich trat zuerst hinaus und der Nachtschatten hinter mir verschloss die Tür sehr sanft. Ich schaute hoch zur Sonne, die zwischen den vielen futuristischen Häusern vorbeischien und musste bewundernd feststellen, dass die Stadt von hier garnichtmal so bedrohlich und kalt aussah, wie ich das Anfangs verspürt hatte. Oder es war nur ein Trugbild. Das Gras und die Bäume um uns herum hatten weiterhin diese bedrohlich, giftig wirkende lilane Farbe. Ich drehte mich um und sagte „Du bist der Wegweiser. Wo geht’s lang?“
Der Nachtschatten erwiderte meinen Blick kurz und drehte sich wieder zur Tür. „Über den Hügel und bei dem großen Grünbaum nach links.“
Ich nahm das als akkurate Wegbeschreibung und begann auf die Erde neben der Tür zu laufen um den Hügel zu überqueren. War die Erde auch lila?
 
Oh Gott gibt es hier denn überhaupt etwas, was nicht lila ist? 
Das gabs. Auf dem Hügel angekommen sah man etwas weiter Hügelabwärts einen gigantischen Baum, der tatsächlich einen braunen Stamm und Grüne Blätter aufwies. Grünbaum war also eine korrekte Aussage. Der Nachtschatten trat zu mir und ich sah ihn an. Er stand sehr nahe an mir und mir stieg der Geruch von Stickstoff, Ammoniak und abgestandener Luft in die Nase. Ich musste sehr dagegen ankämpfen sie nicht zu rümpfen auch wenn er es vielleicht garnicht gesehen hätte. Der Rauch von seinen Schultern floss in Richtung Hals, so wie man es von einem zirkulierenden Blutsystem erwarten würde. Gibt es etwas unter der Rauchschicht? Etwas, was vielleicht wie ein Mensch sein könnte?
Ich schüttelte den Kopf und begann den Hügel hinabzusteigen. Der Nachtschatten folgte mir ohne Aufforderung. Der Abstieg verlief prächtig nur wäre ich fast gestolpert, weil ich eine Wurzel übersehen hatte. Man konnte sie kaum unterscheiden, weil die Sonne noch nicht so weit oben war und sie genauso lila wie das umliegende Gras war. Ich stieß mir also den Fuß an und sah es schon kommen: Der zweite Sturz auf meinen Kopf innerhalb von zwei Tagen. Ich ruderte mit meinen Armen und versuchte verzweifelt das Gleichgewicht wieder zu erlangen, doch ich konnte schon bevor ich anfing spüren, dass es nichts bringen wird. Ich machte mich bereit auf den Sturz.


So weit kam es aber nicht. Der Nachtschatten packte mich am Arm und hielt mich fest. Der Griff war fest und ich spürte definitiv mindestens 4 Finger, die sich in meinen Arm verkeilten und mich festhielten. Die Berührung war überraschend kalt, als würde man von einem Stein gegriffen werden. Ich schaute den Nachtschatten dankend an und er ließ meinen Arm los. Die berührte Stelle fühlte sich sehr kalt an und das blieb so für längere Zeit. Wir kamen zum Grünbaum und tatsächlich war er grün. Es war kein Trugbild und es war wohl der erste mehr oder weniger normale Baum, den ich seit dem ganzen Abenteuer hier gesehen hatte. Es sah aus wie eine Mischung aus Eiche und Kiefer wobei die Blätter auch teilweise Lianen an sich hängen hatten, was dem ganzen einen Jungel-Flare gab. Ich war so fokussiert auf den Baum, dass ich garnicht merkte, dass sich der Nachtschatten schon weiterbewegte.
 
Ich wachte aus meiner Trance auf und sah, dass er auf einem kleinen Trampelpfad zuging. Ich ging schnelle Schritte um ihn aufzuholen und musste dabei an die vielen kleinen Trampelpfade in unserem Wald denken.
 
In meiner Welt.
 
Ich hatte den Nachtschatten eingeholt und gab mir Mühe nicht erneut zu stolpern. „Hey also ich hab mich gefragt… Warum gibt’s es so eine verbotene Abteilung in eurer Bibliothek?“
Diese Frage kam mir einfach aus dem Mund geschossen. Ich hatte erneut Angst das falsche gefragt zu haben, da der Nachtschatten schrecklich lange Sekunden schwieg. Ich dachte schon er würde keine Antwort geben als er doch anfing zu reden: „Na es ist etwas kompliziert. Sehr kompliziert um genauer zu sein. Du musst verstehen, dass die Regierung anscheinend Freude darin verspürt das Volk komplett im dunklen tappen zu lassen bei jedem Thema. Sei es die Geschichte unserer Kultur, Außenbeziehungen oder überhaupt allgemeine Grundprinzipien. Die Bibliothek selbst ist sehr spärlich besucht und dort gibt es ein verbotenes Abteil. Es beherbergt vielerlei Schriften, die wohl nicht einfach so rumstehen sollen und diese Schriften beherbergen in vielerlei Hinsicht die Wahrheit, die die Regierung vor dem Volk, vor uns verstecken möchte.“ Er machte eine Pause und ich dachte über die Wörter nach.
 
Ein Kontrollstaat also? 
„Es geht so weit, dass der Staat sogar die Existenz von anderen Spezies abstreitet. In der Bibliothek habe ich viel gelesen und es wurde viel von den ganzen anderen Völkern innerhalb unseres Sonnensystems geschrieben.“ Er blieb abrupt stehen „Du bist eigentlich der beste Beweis dafür, wie manipulativ der Staat ist…“ Er musste wohl selbst das ganze verarbeiten, denn sein Kopf senkte sich und er schien auf den Boden zu schauen. „Wie viele Lügen es wohl sonst noch so gibt?“ Er schüttelte den Kopf, bewegte sich weiter und ich dachte an die Sovjetunion während des kalten Krieges nach. Da herrschte doch sowas ähnliches
 
Kontrollwahn, damit die Bevölkerung ruhig bleibt. Ist hier irgendetwas los? Gibt es hier auch einen kalten Krieg? 
„Du sagtest gerade etwas von anderen Völkern innerhalb dieses Sonnensystems. Was für ein Sonnensystem ist das hier?“ fragte ich. Vielleicht würde mir irgendein Indikator die eine Erkenntnis geben, wo ich mich gerade angeblich befinden soll.
„Agh solche Informationen sind streng verboten. Ich habe keine Ahnung wo wir uns befinden, da sowas als streng geheime Staatsinterne Information gilt. Ich habe die Bücher noch nie nach sowas durchsucht.“ Er blickte auf und nahm einen scharfen Luftzug „Ah! Wir befinden uns in der Milchstraße. Soviel weiß ich.“
 
Na super. Kontrollstaat und nicht vorhandenes Wissen. Milchstraße ist kein allzu Aussagekräftiger Standpunkt. 
Ich fühlte mich leicht niedergeschlagen, da die Informationen wohl ziemlich rar waren. „Was ist mit den anderen Völkern hier?“ fragte ich in der Hoffnung wenigstens irgendwas herauszufinden. Der Nachtschatten machte eine Geste als würde er sich an der Schläfe kratzen „Das ist sehr spannend. In den Büchern waren 3 andere Spezies aufgewiesen, die angeblich in unserem Sonnensystem hausen sollen.“ Er hielt an und schaute mir direkt in die Augen. „Am öftesten kamen die Pletonier vor. Sie wurden mit vielen Worten beschrieben aber am meisten kamen sie in Verbindung mit dem Wort Händler. Ich nehme streng an, dass die Pletonier früher viel Handel trieben bevor dieser… Lockdown eintraf. Als zweites wurden sogenannte Rennschatten oft erwähnt. Es gab kaum informierende Schriften über sie, jedoch sollen sie noch alptraumhaftiger als wir gewesen sein und oh mein Gott das muss dann wirklich ein Alptraum gewesen sein einem von denen über den Weg zu kommen. Als drittes…“
Er legte eine Pause ein. Ich schaute ihm in die dunkelvioletten Lichter, die wohl als Augen dienten und erkannte darin nur Leere. Eine gähnende, dunkelviolette Leere.
 
Waren die dritten wohl Menschen? 
Er wandte sich von mir ab und folgte weiter dem Trampelpfad. „Als drittes waren Minervianer aufgewiesen und naja Minervianer waren bisher nur in einem Buch eingetragen und dort wurden sie beschrieben als ich zitiere primitive, sich selbst dankende, dumme, bestialische Vollidioten, die nur auf Rum, Ehre und sehr viel Aufsehen aus sind und ich weiß wirklich nicht was ich mit so einer Erklärung anfangen soll.“
Ich dachte über diese Beschreibung und so würde ich wohl nur jemanden beschreiben, den ich wirklich hasse. Gab es Hass zwischen diesen Minervianern und Nachtschatten?
„Wahrscheinlich waren die Minervianer ein sehr primitives und arrogantes Volk. Anders kann ich mir so eine Vorstellung nicht erklären.“
 
Und wahrscheinlich sind die auch schon längst tot. Oder bei meinem Glück..  
„Kamen die in diesem Buch vor, dass beschrieb welche Spezies euch gefährlich sein könnten? Also die Minervianer.“
Der Nachtschatten hielt an und stand kerzengerade. „Nein.. Nein dort kamen die nicht vor…“
Er ging weiter und ich war erleichtert.
 
Also doch ausgestorben. Zum Glück. 
Wir gingen weiter den Trampelpfad entlang und es geschah etwas sehr seltsames. Der Nachtschatten stellte mir eine Frage während dem gehen: „Woher kommst du eigentlich?“
Ich kratze mir den Hinterkopf. „Also ich komme von einem Planeten namens Erde. Die Erde ist in einem Sonnensystem mit 8 anderen Planeten und die Erde ist der einzige Planet mit Leben. Unser Sonnensystem hat noch keinen richtigen Namen und wir befinden uns im südwestlichen Ariadne-Arm der Milchstraße. Wenn ich mich richtig entsinne.“
Ich fühlte mich als hätte ich zu viele Informationen auf einmal gegeben oder Nachtschatten brauchen länger zum verarbeiten.
„Also das du durch einen Teleport hier her kamst ist ziemlich eindeutig. Jetzt musst du doch irgendwie zurück, oder?“
Ich schaute zu ihm rüber. Ich kenne seinen Namen immer noch nicht und doch scheint er so vertraut.
„Ja. Nach Hause wäre jetzt toll.“ Wobei mir bei diesem Gedanken Bilder von meinem Zimmer in den Kopf stiegen. Ich konnte sie nur mit Mühe abschütteln.
 
Heimweh hilft jetzt keinem von uns. Selbst wenn das hier ein Koma ist: Irgendwie muss ich hier ja raus und vielleicht ist der Schlüssel dazu auch der Rückweg zu meiner Heimat.  
„Kannst du mich nicht wieder nach Hause teleportieren?“ fragte ich. Die Antwort kam prompt: „Glaubst du wirklich, dass, wenn jeder die Kunst der Teleportation beherrschen würde, so eine großflächige Manipulation vom Staat aus möglich wäre?“
Und dabei musste ich mich ärgern weil ich nicht selbst nachgedacht hab. Warum sollte jeder die Fähigkeit haben sich teleportieren zu können? Schließlich ist das vom Stand unserer Physik eine unmögliche Sache.
„Nein, teleportieren können sich wennschon nur vom Staat autorisierte Personen. Ich gehöre nicht dazu.“
 
So leicht kann es ja nie sein. Immer muss man irgendeine Aufgabe bewerkstelligen bevor man überhaupt irgendwas machen kann.
 
Ich wollte gerade die nächste Frage stellen als der linke Arm vom Nachtschatten zur Seite schellte und mich somit ein bisschen zu stark in der Brust traf. Ich blieb stehen und merkte, wie ich nicht gemerkt hatte, dass wir bereits am See angekommen waren. Das Wasser war sehr trüb und Schwarz. Kaum unterscheidbar also von der lilanen Umgebung.
„Hier, nimm meine Tasche.“ Sagte der Nachtschatten und ließ sie gleich darauf auf den Boden fallen. Er sprang mit einem unglaublich elegantem Kopfsprung in das Wasser. Es sah beinahe so aus als hätte er für diesen einen Moment sein ganzes Leben trainiert. Er sank in die Wasseroberfläche ohne große Wellen und großartigen Geräuschen. Ich stand dort für eine gefühlte Ewigkeit, erneut verwundert von dieser plötzlichen Eleganz einer Rauchgestalt.
 Ich nutzte die Gelegenheit der Abwesenheit vom Nachtschatten und untersuchte die Tasche, die er achtlos auf den Boden fallen ließ.
Das Symbol war sehr simpel. Zwei kurze Striche nebeneinander und ein langer Strich unter den zwei kurzen, was aussah als würde man die zwei Striche unterstreichen. Abgeschlossen war das ganze mit einem sehr runden Kreis drumherum.
Ich wollte gerade einen Blick in die Tasche werfen als der Nachtschatten schon wieder auftauchte. Ich schaute schnell wieder zu ihm und er hatte ungefähr ein Dutzend der Muscheln, die ich im Versteck auf dem Tisch liegen sah, in den rauchigen Armen.
„bring mal die Tasche näher zum Ufer damit ich die Muscheln leichter reinmachen kann.“
Gesagt, getan. Er nutzte einen Arm um zum Ufer zu schwimmen und füllte die Muscheln mit seinem anderem Arm in die Tasche sobald er angekommen war. Der Tauchprozess wiederholte sich drei Mal und alle drei Male blickte ich in die Tasche nur um dort nichts vorzufinden.
 
Das muss irgendwie irgendwas mit der Rune zu tun haben. Wahrscheinlich sorgt das an der Seite der Tasche für ein unendliches Lager innerhalb der Tasche.  
„Hey bist du so fasziniert von dem Ding?“ ich blickte auf und machte Anstalten mich zu entschuldigen. Er nahm die Tasche und dabei fiel mir auf, dass er nicht nass war. Es fielen keine Wassertropfen von ihm.
Er ging wieder den Trampelpfad entlang auf dem wir zum See gekommen sind und ich holte auf. „Was für eine Rune wirkt für die Tasche?“ fragte ich und unterdrückte ein gigantisches Magenknurren. „Langstrecksiegel. Manipulation des Raumes um so viel wie möglich innerhalb des Behälters zu lagern.“
 
Klassisch. Sowas muss es doch immer irgendwie geben.  
Mir brannten noch viele andere Fragen auf der Zunge aber ich hatte Mühe mit dem Nachtschatten mit zu halten, da er ein sehr schnelles Lauftempo hatte. Wir kamen wieder beim Grünbaum an und ich bemerkte, dass nicht nur der Baum sondern ringsherum Grasfläche und Pflanzen grün, also normal, waren.
„Warum ist ausgerechnet dieser Baum grün?“ fragte ich mit Mühe, da es immer noch schnell voran ging. Der Nachtschatten hielt plötzlich an und ich stieß gegen ihn. Er war eiskalt und hart wie Stein. Ich wandte mich schnell von ihm ab, da seine Berührung an meinem Arm immer noch spürbar kalt war. „Gute Frage. Ich hab keine Ahnung. Der Baum ist hier schon seit ich denken kann und er hat sich noch nie verändert. Vielleicht hat hier jemand geübt.“ Er ging weiter. „Wie, geübt?“ „Na Energie kanalisiert. Vielleicht gabs hier irgendeinen ungewollten Ausbruch von Energie und der Baum ist das, was davon übrig blieb.“
Wir waren beim Fuß des Hügels angekommen und es war immer noch dunkel, da die Sonne kaum gestiegen war. Der Nachtschatten begann damit den Hügel zu erklimmen und ich folgte ihm.
 
Als wir wieder auf der anderen Seite des Hügels waren, war die Tür verschwunden. Ich erinnerte mich an die Worte von dem anderem Nachtschatten. „Tarnsiegel“.
Wir gingen am Fuß des Hügels entlang und die Tür erschien wie gewohnt mitten in der Hügelwand. Der Nachtschatten machte die Tür auf und hielt sie mir offen. Ich nickte dankend und begab mich ins innere. Erwartungsvoll blickten meine Augen zur Decke um wieder die Lichter zu bewundern aber daraus wurde nichts. Der Nachtschatten entschied sich die Tür nicht wieder zu schließen. „Was ist? Kommst du oder nicht?“ fragte ich mit dem Blick auf den Schreibtisch gerichtet. „Die anderen sollten gleich kommen. Setz dich schonmal.“
 
Die anderen Nachtschatten. Ich frage mich was die wohl heute dabei haben. Wahrscheinlich wird Orange mies drauf sein wegen seiner Sammelkarte..  
Ich saß mich hin und wandte meinen Blick nicht vom Tisch ab. Gestern habe ich ihn kaum gemustert aber jetzt war ich am verhungern und hatte einen klaren Kopf. Ich streckte die Hand nach einem Werkzeug aus, welches einem Hammer ähnelte. Mein Herz klopfte, da es doch bedrohlich aussah. Vielleicht war es auch verflucht.
„Wie immer halten die sich nicht an den Zeitplan.“ Ich schreckte auf und nahm meine Hand blitzschnell wieder zurück.
Der Nachtschatten schaltete die Lichter ein, schloss die Tür und stellte seine Tasche mitten auf den Tisch. Ich schaute neugierig zu wie er in der Tasche kramte, die vorhin gefangenen Muscheln herausholte und dazu im Anschluss eine kupferne Bratpfanne. Es sah wie Kupfer aus.
Er packte die Muscheln und reihte sie mit erstaunlicher Eleganz, sowie Schnelligkeit auf der Bratpfanne an, nahm sie und bewegte sich zur Feuerstelle. Meine Konzentration galt einzig und allein der Feuerstelle. Ich wollte sehen, wie sie Feuer scheinbar aus dem nichts fing. Der Nachtschatten nahm die Pfanne in seine rauchige linke Hand und bewegte die rechte Hand kurz über die Rune und..
 
Feuer! 
Es war ein magischer Moment. Feuer aus dem nichts!
Der Nachtschatten hielt die Pfanne über das Feuer und mein Magen begann bei dem Geräusch von brutzelndem Fleisch zu knurren. Speichel sammelte sich in meinem Mund. Ich konnte mich kaum zurückhalten die Bratzeit abzuwarten, doch nach scheinbar ewigen fünf Minuten war es endlich soweit. Es roch im ganzen Versteck nach gebratenem Fisch und der Nachtschatten brachte die Pfanne wieder zum Tisch.
Meine Finger griffen instinktiv nach den Muscheln, stießen aber auf dem harten Tisch. Der Nachtschatten hatte die Pfanne innerhalb von Bruchteilen einer Millisekunde zur Seite geschoben. Ich schaute auf mit Verwunderung, Verärgerung und Peinlichkeit im Gemüt.
„Ich nehm zuerst die Seelen, du kannst danach das Fleisch haben“ Er nahm eine Muschel während sich meine Augen weiteten. Es war also korrekt was ich gestern gehört hatte. Nachtschatten essen Seelen!
„Du.. Isst Seelen?“
„Ja. Eigentlich ist das auch verbotenes Wissen aber Seelen sind ein exzellenter Weg um Energie aufzubauen. Normalerweise regenerieren wir unseren mindestwert an Energie passiv durch..“ Er hielt sich eine Hand an den Kopf. „durch etwas. Ich weiß nicht was aber durch eine sehr machtvolle Energiequelle, die uns alle so weit versorgt, damit wir nicht sterben. Mit dem Mindestwert an Energie kann man aber kaum Siegel befeuern. Also nutzen wir diese Muscheln. Der See in dem wir waren ist der einzige innerhalb der Stadtgrenzen. Dementsprechend kommen keine Feinde, die die Muscheln essen würden rein und es gibt eine stetige Überpopulation. Man merkt also kaum, dass wir etwas wegnehmen.“
 
Muschelseelen. 
Erleichterung durchflutete meinen Körper.
„Und ich dachte schon, du würdest meine Seele essen.“ Sagte ich mit einem nervösen Lacher.
Der Nachtschatten sagte nichts und führte die Muschel zu seinen Augen. Ein grelles Licht kam bei der Berührung mit einem der Lichter-Augen und der Muschel und es war genauso schnell wieder weg wie es gekommen war.
 
Das war wohl gerade eine Seele? Na toll. Fremder Planet, Seelenesser und was kommt als nächstes? Das ich irgendein Magier bin?  
Er legte die Muschel vor mich und ich nahm sie dankbar. Ich entnahm das warme Muschelfleisch und probierte es. Es war unglaublich lecker. Meine Geschmacksknospen machten Sprünge und mein Magen freute sich über die lang ersehnte Mahlzeit. „schmeckts?“ fragte mich der Nachtschatten wobei ich nur schnell nicken konnte als Antwort und flüchtig zu der nächsten entseelten Muschel griff.
Das Essen ging kaum länger als fünf Minuten und als ich satt war, waren noch 10 Muscheln übrig. „Das war unglaublich lecker.“
Gerade als ich mich wieder in den Stuhl zurücksacken ließ, wurde die Tür geöffnet und das Versteck wurde mit Sonnenlicht durchflutet. „Na endlich seid ihr da.“ Sagte der Nachtschatten neben mir. Die Tür wurde wieder geschlossen. Man konnte nun ausmachen, wer das Versteck betreten hatte. Es waren die altbekannten Nachtschatten. Beide hatten ähnliche Taschen wie die, die auf dem Tisch stand. Der Nachtschatten neben mir stand auf und gesellte sich zu seinen Freunden.
Er richtete sich zu den anderen Nachtschatten „Holt das Zeug und legt es auf den Tisch.“ Er drehte sich wieder zu mir und verschränkte die rauchigen Arme „Ich hab mir überlegt, dass du wahrscheinlich keine Lust hast hier den ganzen Tag herumzusitzen, weswegen ich eine Lösung gefunden habe.“ Er ging zum Tisch wo jetzt ein schwarzes Bündel und eine kleine Flasche mit einer dunklen Flüssigkeit drauf waren.
 
Er nahm das Bündel und fummelte daran herum „Da du nicht einfach so in der Stadt herumlaufen kannst, da du sehr schnell Aufmerksamkeit erregst, haben wir eine Tarnung für dich gefunden.“ Er breitete das Bündel auf dem Tisch aus und das Bündel erwies sich als ein schwarzes Gewand.
„Ich hab noch keinen Nachtschatten gesehen, der Kleider trägt. Ihr seht alle sehr..“ der Nachtschatten mit den hellblauen Augen hob die Hand. „Eigentlich nicht aber es gibt Nachtschatten, die sich auf das Pflanzenleben fokussieren. Da viele Pflanzen hochgiftig, und in der Lage einen Nachtschatten einfach in Partikel aufzulösen, sind, tragen diese Nachtschatten solche Gewänder um sich gegen eine Vielzahl von Gefahren zu schützen.“
 
Aber was ist mit meinem Gesicht? Das sieht man doch..  
Ich atmete auf um diesen Einwand zu bringen aber der Nachtschatten mit dunkelvioletten Augen kam mir zuvor: „Wir haben auch etwas um dein Gesicht zu verbergen.“ Er griff in seine auf dem Tisch stehende Tasche und zog eine Maske heraus und legte sie auf den Tisch. Es war aber nicht irgendeine Maske sondern ein perfektes Abbild des Nachtschatten mit den orangenen Augen. Der Rauch bewegte sich und die Augen leuchten genauso. Eine animierte Maske.
„Mmmh ja das könnte klappen..“ sagte ich
„Das einzige Problem..“ fing der Nachtschatten mit orangenen Augen an „..ist deine Aura.“
„Meine Aura?“
„Deine Aura.“ Erwiderte der Nachtschatten nickend.
„Jeder Nachtschatten mit einer höheren Kampfausbildung beherrscht das ätherische Auge. Dieses ermöglicht es eine andere Ebene innerhalb unserer Welt zu sehen. Das, was dem eigentlichem Auge nicht offenbart werden kann. Dazu zählt die Aura.“ Er setzte sich auf einen Stuhl. „Solltest du dich weiter ins Zentrum der Stadt begeben, wirst du vielen ausgebildeten Nachtschatten über den Weg laufen und sollten sie kurz das ätherische Auge aktivieren, fliegst du sofort auf. Egal wie gut deine Tarnung ist.“
Er stand auf, nahm das Fläschchen mit der dunklen Flüssigkeit und hielt es mir entgegen. „Das hier sorgt dafür, dass deine Aura nicht mehr so auffällig ist und du wirst erfolgreich untertauchen können.“
Ich nahm das Fläschchen „Wie sieht meine Aura momentan aus und wie soll sie aussehen?“ fragte ich.
Der Nachtschatten legte seine rechte Hand auf das linke Auge und als er es wegnahm war es anstelle von dunkelorange ein blutrot. Es sah sehr gefährlich aus und mein Herz begann zu klopfen.
„Deine momentane Aura ist.. Extrem hell. Sie ist von Glücklichkeit, Sauberkeit und Weisheit durchtränkt. Solche hellen Auren gab es noch nie. Die Aura eines Nachtschatten ist dunkel, durchpflügt von Hass, Trauer und Leid.“ Er legte die Hand wieder an das blutrote Auge und als er es wieder wegnahm, war es wieder orange.
„Trinkst du das, so wird deine Aura vielleicht permanent getarnt sein aber es hat keine Auswirkungen auf dein Wohlbefinden. Es ist eine simple Transmogrifikation.“
 
Alright. Tarnung, yay 
Ich trank das Fläschchen aus und es schmeckte abartig wie vergammeltes Olivenöl. „Das schmeckt furchtbar.“ Es kam mir ein Gedanke in den Kopf. „Warte.. Was genau bist du? Also i- ich meine nicht was was du bist sondern du hast doch dieses ätherische Augendingens drauf und das können doch nur spezielle Nachtschatten. Warum kannst du das?“
„Der Nachtschatten beherrscht eine Vielzahl von Dingen, über die er sich eigentlich nicht bewusst ist. Ein schneller Exkurs in die verbotene Abteilung der Bibliothek offenbart dies.“
 
Okay. Cool.
 
Ich stand auf um mich umzuziehen.
Das Gewand war aufgeteilt in Stiefel, Hose, Handschuhe und Oberteil mit Kapuze und integriertem Mundschutz. Das ganze fühlte sich wie Leder an, war aber so leicht wie simpler Leinenstoff. Es gab auch Riemen an den Handgelenken, Knöcheln und dem Becken. Taschen gab es keine.
Da das Gewand nicht so aussah als würde es viel Raum lassen, zog ich meine komplett verdreckten Jeans und mein ziemlich streng riechendes T-Shirt aus um in das Gewand zu schlüpfen. Die Stiefel passten. Die Hose war drei Nummern zu klein und ich fühlte mich als wäre ich wieder 14 mit hoffnungslos engen Skinny Jeans. Dazu zwickte es im Schritt, was ziemlich unangenehm war. Das Oberteil hatte einen viel zu engen Brustumfang. Trotz meinen praktisch nicht vorhandenen Brüsten war es so eng, dass ich kaum atmen konnte. Das Gewand war zwar für einen Menschenähnlichen Körper gemacht aber absolut nicht für einen Menschen. Ich band meine schwarzen Haare zu einem Schopf und zog die Kapuze über meinen Kopf. Danach nahm ich die Maske in die Hand und sie war eiskalt.
„Warum.. Gibt es solche Masken?“
„Eigentlich sind sie für Verkleidungsfeste vorgesehen, damit man nicht so schnell erkannt wird. Aber als Menschentarnung sind sie auch nutzbar. Nun mach schon wir haben nicht ewig Zeit.“ Sagte der Nachtschatten mit den orangenen Augen. Seine Stimme brachte mich zum zittern. Es war zwar möglich sich an solche Stimmen zu gewöhnen aber es bleibt schauerhaft. Vorallem wenn der Tonfall der Stimme sich ändert.
 
Die Maske hatte einen elastischen Stoff, der ebenfalls sehr dunkel war, damit sie am Kopf hängen bleibt. Ich zog sie an und vernahm den Geruch von abgestandener Luft und Lakritz. Man merkte nicht, dass man eine Maske auf hat. Es war wie als würde man eine Brille anziehen und vergessen, dass man sie an hat. Die Maske war aber da. Als letztes zog ich die Handschuhe an und die passten. Ebenfalls für fünf Finger gemacht.
 
Was ein Zufall 
„Gut.“ Sagte der Nachtschatten mit den dunkelvioletten Augen. „Da du jetzt ein Nachtschatten mit Spezialgebiet auf Kräutern und hochgiftigen Pflanzen bist, wäre es sicherlich nützlich, dass du auch botanische Sachen bei dir trägst. Genau deswegen hab ich dir eine Tasche und ein Buch über Botanik mitgebracht.“ Daraufhin holte er ein Buch und eine weitere Tasche aus seiner Tasche. Er drückte mir beides in die Hände und ich wäre fast unter dem Gewicht des Buches zusammengefallen.
„Muss das so schwer sein?!“ fragte ich verärgert.
 
Wenn ich das Buch die ganze Zeit mit mir mitschleppen muss nur um nicht aufzufallen, kann ich gleich hier bleiben.  
Das Buch wog sehr viel. Auf dem Einband stand in sehr schnörkeliger und gleichzeitig zackiger Schrift Botanik innerhalb und im Umland von Tropia.
„Und was ist Tropia?“
 
Der Nachtschatten mit den hellblauen Augen trat zu mir. Der Geruch von Babypuder und Oliven trat mir in die Nase. Oliven.
„Das Buch handelt von der Botanik innerhalb und außerhalb von dieser Stadt hier. Tropia. Benannt nach dem ersten Nachtschatten, der das Licht der Welt erblickte. Leg das Buch in die Tasche, dadurch wird das Gewicht wieder entschwinden.“
Gesagt, getan und tatsächlich spürte ich nichts mehr vom Gewicht des Buches sobald es in der Tasche war. „Ah“ fing der Nachtschatten mit den dunkelvioletten Augen an. „Wenn du mehrere Sachen in die Tasche legst und dann eine spezifische Sache haben willst, dann denk einfach an die Sache. Die Tasche ist in gewisser Weise an den Träger gebunden. Andernfalls nimmst du einfach den letzten in die Tasche gelegten Gegenstand heraus.“
Er griff wieder in seine Tasche und zog eine große Rolle aus Pergament heraus. Es sah aus wie Pergament. „Hier ist eine Karte von Tropia, damit du dich zurechtfinden kannst.“ Er legte die Rolle auf den Tisch und entfaltete sie.
 
Man sah 6 Ringe mit Lücken in allen Himmelsrichtungen, sehr viele Quadrate und andere Symbole. Unten sah man das gleiche Symbol, welches sehr groß an der Wand im Versteck war und in der Mitte von allen Kreisen sah man ein Zeichen, welches mich an ein kyrillisches Schriftzeichen erinnerte. Es war ein Strich von dem 3 weitere Striche nach oben abstanden.
„Also. Hier unten-“, er zeigte auf die umgedrehte, durchtrennte Flamme, „befindet sich unser Versteck. Das Symbol steht für Widerstand. Innerhalb des mittleren Kreises befindet sich der Hochsicherheitstrakt. Das Herz von Tropia. Davon sollst du dich bitte fern halten, da dort konstant Wachen sind und wenn du auffällig wirst, nehmen sie dich schneller gefangen als du dir das auch nur erdenken kannst. Die 3 weiteren Ringe sind die Nobelringe. Dort sind überall Überwachungssysteme und es laufen auch manchmal getarnte Wachen herum. Also auch dort bitte einfach keine Aufmerksamkeit erregen. Dort-“, er zeigte auf ein etwas größeres Rechteck im Osten des 5. Rings, „ist die Bibliothek. Du kannst da ohne Probleme reingehen, es achtet sowieso niemand darauf. Außerdem bist du außerhalb der Überwachungssysteme und der 6. Ring-“, er deutete auf den äußersten Ring, „sind Wohnblöcke. Dort haben wir dich getroffen“ Er deutete zwischen zwei kleinen Vierecken auf eine winzige Gasse, die fast direkt neben der südlichen Kreislücke war.
„Die Eingänge hier sind Hauptstraßen.“ Er zeigte auf die Lücken der Kreise. „Dort solltest du dich nicht aufhalten, da dort eigentlich nur die Arbeiter entlanglaufen. Gerätst du ausversehen in den Strom rein, könntest du ziemlich leicht sterben.“
Mir kam wieder der Nachtschattenfluss in den Sinn. Etliche und aberwitzig viele sich extrem schnell bewegende Nachtschatten.
„Was sind diese Arbeiter?“ fragte ich mit Neugier.
„Es sind Nachtschatten, die einen Vollzeitvertrag unterzeichnet haben. Sie opfern sich komplett der Arbeit auf und verlieren das Bewusstsein über ihre Taten bis zu den Freien Tagen. Du stehst einfach zu Hause und hast eine Tonne Arbeit verrichtet, kannst dich aber nicht daran erinnern die Arbeit tatsächlich getan zu haben und doch haben deine Erinnerungen etliche neue Einträge, die man sich genüsslich anschauen kann. Die Hauptstraßen sind Schnellstraßen für die Arbeiter. Sie bewegen sich somit von Punkt A zu Punkt B. Für die Arbeit natürlich.“
Er schaute von der Karte auf, sah mich an und danach seine Freunde. „Durch die Verspätung meiner Freunde..“, er sah zu mir herüber, „kannst du momentan nicht raus. Gerade läuft eine Patrouille nicht weit von hier. Wie messt ihr Zeit?“ Die Frage war an mich gewandt. Ich zählte eine Sekunde ab „Eins. Das ist eine Sekunde. Sechzig davon ergeben eine Minute, 60 Minuten eine Stunde und 12 Stunden beschreiben in unserem Sonnensystem die Zeit von einem Tag. 12 weitere Stunden dauern eine Nacht und zusammen ergibt das einen 24 Stunden-Zyklus.“
Der Nachtschatten musterte mich. „Warum nicht hundert Sekunden für eine.. Äh egal. Ich nutze einfach eure Zeitrechnung.“
Er rollte die Karte wieder zusammen und hielt sie mir hin. Ich griff danach aber im letzten Moment zog er sie wieder zurück. „Die Patrouille umrundet den 6. Stadtring alle 3 Stunden, 23 Minuten und 54 Sekunden. Sie fangen oben bei der Stadt an und brauchen in etwa 58 Minuten bis sie bei unserem Versteck angekommen sind. Hier wird immer Sinnesgemäß eine Pause von 15 Minuten gemacht. Eure Zeitrechnung ist zwar sehr seltsam aber nicht schlecht.“
 
Er hatte gerade erstaunlich schnell die menschliche Zeitrechnung angewandt. Das ist verdammt cool und angsteinflößend aber größtenteils cool.  
Er hielt mir wieder die Karte hin. Diesmal gelang es mir sie zu nehmen und die Karte fühlte sich sehr leicht an. Das Material, auf dem die Karte eingezeichnet war, war eindeutig Pergament oder zumindest pergamentähnlich. Ich ließ die Karte in meine neue Tasche gleiten.
„Warum muss ich Angst vor der Patrouille haben? Ich sehe doch aus wie einer von euch und wenn ich aus dem Wald komme dann wäre es doch noch besser als wenn ich plötzlich in der Stadt auftauche.“
Ich hörte ein sehr verstörendes Geräusch, als würde man ausversehen beim Schälen eines Fingernagels mit der Schere noch etwas Fleisch herausholen.
 
Ich lass das mal als einen Seufzer durch.  
Der Nachtschatten mit der schlimmsten Stimme ging zur Tür. Er legte eine rauchige Hand auf den Griff. „Sollte die Patrouille auf dich stoßen, werden sie nach einer Genehmigung bitten. Man braucht eine um ins bewaldete Gebiet von Tropia rein zu können. Wirst du keine vorweisen können, werden die merken, dass du garkeinem Eintrag in der Datenbank hast und das heißt wiederrum, dass du die Stadt nie durch den Haupteingang betreten hast und weißt du was das heißt?“
Ich nickte.
„Wundervoll.“
 
Er öffnete die Tür und ging hinaus. Dunkelviolett und hellblau folgten schnell.
Ich saß mich auf einen Stuhl, holte das Buch über Botanik heraus und schlug es auf.
 
 
Das Buch war überraschend gut strukturiert. Es gab ein Inhaltsverzeichnis mit Seitenangaben zu jeder Pflanzenart, Kategorien und auch ein Vokabular, sollte man Fremdwörter nicht kennen.
Es gab sogar eine Einführung.
 
Innerhalb und außerhalb von Tropia liegen leider ebenso wie in der restlichen Welt eine Vielzahl des Verteidigungsgenomes verstreut, weswegen es auch hier kaum auf Fotosynthese basierende Pflanzen gibt. Um das schnell abzugleichen werden wir uns die wenigen Seltenheiten zuerst ansehen.  
Ich blätterte zur nächsten Seite um. Eigentlich war ich nie wirklich von Pflanzen oder Botanik allgemein überzeugt aber hey hochgiftige Pflanzen, die sogar einen Nachtschatten ohne richtiger Ausrüstung in Partikel auflösen können, hört sich doch spannender an als Venusfliegenfallen und Eichen.
 
Als erstes: Der Erkzentbaum
Darunter war eine Grobe Zeichnung von dem Grünbaum, der am anderem Ende des Hügels stand.
 
Der Erkzentbaum ist wie auch überall der einzige Baum, der das Verteidigungsgenom erfolgreich abschüttelt und sich dagegen verteidigt. Wie ironisch. Durch die von ihm verursachten Sporen existiert die Daffondelie und der Emmergelanz. Das Holz vom Erkzentbaum eignet sich sehr gut als elektrischer Kondukter und es ist auch ziemlich robust aber sehr anfällig für Regen, weswegen es eine vielschichtige Blattkrone von speziellen endotherm wirkenden Lotusblüten-ähnlichen… 
Bla bla bla… Ich wollte etwas über die anderen Pflanzen lesen, die von den Sporen dieses Erkzentbaumes zustande kommen sollen. Ich blätterte weiter und da war es:
 
Die Daffondelie.
Darunter war ein Bild von einer Blume eingezeichnet, die ähnlich aussah wie eine Sonnenblume, doch es hingen noch Lianen ähnliche schwarze Teile von den weißen Blütenblättern. Ich konnte mich an so eine Pflanze tatsächlich neben dem Grünbaum erinnern.
 Sie entsteht aus den Sporen des Erkzentbaumes. Sie hat keine besonderen Eigenschaften selbst aber durch ihre übernatürlich schnelle Fotosynthese entwickelt sie schwarze Schlaufen, die man sehr gut anzünden kann und die als Rauchmaschinen-Ersatz dienen. Wenn die Daffondelie nicht so selten wäre, würde man das wahrscheinlich einer Rauchmaschine vorziehen, da die Rauchmenge enorm ist. Der Rauch kommt durch die atomare Zusammenstellung innerhalb dieser Schlaufen zustande und durch die erheblich erhöhte Elektronennegativität reagieren die Stoffe inner- 
Die Tür wurde geöffnet. „Oh wie ich sehe hast du sogar in das Buch rein geschaut.“
Ich schreckte auf, da ich sehr in das Buch vertieft war. „Ja, es wurde gerade spannend. Ich weiß was der Grünbaum nun ist.“
Das Buch wurde von mir zugeklappt als ich aufstand und war schnell in der Tasche verschwunden. „Ist die Patrouille weitergezogen?“ fragte ich während ich die Tasche auf meine Schulter nahm und mich umdrehte. Der Nachtschatten stand noch in der Tür und anhand der Stimme konnte ich erkennen, dass es der Nachtschatten mit den dunkelvioletten Augen war.
„Ja. Wir teilen uns auf. Man soll uns nicht zusammen sehen, auf keinen Fall.“
Mit schnellem und zwickendem Schritt ging ich zur Tür. Der Nachtschatten sah mich an als ich hinaustrat. „Mein Name ist Max.“
Verwunderung kam in mir auf. Ein Name, der sich wie englischen ausspricht auf einem Planeten wahrscheinlich im komplett anderen Ende der Milchstraße.
 
Sehr verwunderlich.  
„Mein Name ist Elva.“ Erwiderte ich.
Max nickte und ging in Richtung Tropia. Ich folgte ihm nicht, da wir ja nicht gesehen werden sollten.
 
Max. Max. Max. Warum so ein verdammt simpler Name? Spielt er mit mir? Ich sollte mir nicht allzu sehr den Kopf darüber zerbrechen. Es ist schließlich nur ein Name, der die Persönlichkeit eines Wesens ausmacht, welches man kaum von den anderen unterscheiden kann. Ist fast genauso wie bei den Asiaten.  
Ich atmete durch und wartete noch circa 2 Minuten nachdem Max hinter den lila Bäumen verschwunden war. Danach ging ich los.
Tödlich  Tod
Velorum

[Legende|B]

Velorum


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am 02.10.2019 um 22:38

Soll nicht Böse klingen, aber mal ne Frage. 
Liest sich irgendjemand sich die Demoversion des Buches durch?
Außer vllt Rhijannon
Es gibt zwei Dinge die Unendlich sind. Das Universum und die Dummheit der Menschen. Nur beim Universum bin ich mir nicht sicher.
VioLaetta

[Weiser]

VioLaetta


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am 04.10.2019 um 12:20

Lass ihm doch das Vergnügen.

Wobei die Geschichte bestimmt besser auf z.B. Wattpad aufgehoben wäre. Dort kann man eigene Geschichten kapitelweise hochladen und diese von der Community bewerten lassen. 
Ferner kann die Community dem Autor eine Nachricht schreiben. Für Wattpad gibt es auch mobile Apps, die das Lesen der Geschichten einfacher machen.

Hier ist die Geschichte sehr unübersichtlich und eigentlich nur angenehm lesbar, wenn man sich am PC befindet.
DeathlyPhantom

[Kaiser]

DeathlyPhantom


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am 09.10.2019 um 05:34

Kapitel 4 – Im Fokus
 
 
Es dauerte kaum 5 Minuten bis ich mich durch das Dickicht geschlagen hatte. Lila Büsche, Bäume und Wurzeln überall. Es war fast so als hätten Max und seine Freunde den besten Weg durch den Wald gekannt und mich auch Problemlos durchgeführt.
Der Wald offenbarte mir den sechsten Ring, also die äußeren Wohnblöcke, und die Hauptstraße. Der Nachtschattenfluss. Der Fluss bog kurz vor dem letzten Haus nach links und von dort entströmten auch die Nachtschatten, weiter zum Zentrum der Stadt. Ich nahm den kleinen Seitenweg nicht weit von der Hauptstraße, der aber von einem Wohnhaus getrennt war von der Hauptstraße. Gelegentlich konnte ich auf die Hauptstraße und den Gehweg daneben, über den mich Max und seine Freunde geführt hatten, sehen. Es war in einer gewissen Weise magisch.
 
Tropia. Die Stadt der Nachtschatten auf Exidius, dem Planeten der Nachtschatten innerhalb einer Galaxie am Arsch der Welt. Wortwörtlich.  
Weiter gings und nach einer Zeit traute ich mich auf den Gehweg neben der Hauptstraße. Ich wollte einen besseren Überblick bewahren und das war auch gut so, denn meine Augen sahen ein gigantisches Tor. Das Tor war offen und dahinter sah ich etwas, was man am besten mit New York 4.0 beschreiben kann. Es gab keins der Pechschwarzen Häuser mehr und alle waren wahrhaftig futuristisch, aus einem silbern glänzenden Metall, in vielen verschiedenen abstrakten Formen aufgebaut. An den Häusern hingen Lichttafeln, die wahrscheinlich das neueste Produkt, welches im Trend war, präsentierten und überall waren kleine Läden mit vielen verschiedenen Namen, die ich von weitem nicht lesen konnte. Mein Gang verschnellerte sich und meine Begeisterung ließ alles nervige, sogar die viel zu enge Brust und das zwicken im Schritt, ausgeblendet. Ich war im Shopping Paradies angelangt.
 
Aber ohne Geld. 
„Ach mist.“ Sagte ich ausversehen laut und blieb stehen. Ich hatte tatsächlich kein Geld von Max bekommen.
 
Das heißt nur anschauen und nicht kaufen. Wahrscheinlich ist eh die Hälfte von dem Zeug was dort verkauft wird verflucht oder irgendetwas Derartiges stimmt mit dem Zeug nicht.  
Tropia war durchleutet von vielen Lichtern und das war gerademal der fünfte Kreis. Ganz weit in der Ferne konnte ich geradeso den Torbogen, der den fünften vom vierten Ring trennte, erahnen. Er war wohl mindestens 40 Minuten Gehweg entfernt. Ich ging in den erstbesten Laden hinein und das Glück war auf meiner Seite, denn ich befand mich unmittelbar vor weiteren Nachtschatten, die das gleiche Outfit wie ich hatten. Es war ein Kräuterladen. Es waren vielerlei Kräuter in Regalen und die ganzen Nachtschatten um mich herum unterhielten sich leise miteinander. Ich ging weiter in den Laden hinein und sah viele Pflanzen. Eine sah aus wie eine Rose, die nächste war fast wie ein Kaktus mit Gesicht und dann war da noch eine, die scheinbar komplett aus Gold bestand. Es war faszinierend.
Niemand schien mich zu beachten, was wohl hieß, dass die Tarnung perfekt war. Ich verließ wieder den Laden und ging weiter an der Straßenseite neben der überfüllten Hauptstraße entlang. Es gab mehrere Überführungen, die über die Hauptstraße führten, damit man zur anderen Straßenseite wechseln konnte.
 
Na klar. Die Hauptstraßen sind wohl durchgehend gefüllt, weswegen es praktisch unmöglich ist die Straßenseite zu wechseln.  
Ich ging weiter und schaute mir diverse Plakate an und die Werbungen auf den Leuchttafeln, die an den Hochhäusern hingen. Auf einer Tafel wurde ein Schwert vermarktet. Schnell, tödlich und intensiv hieß es darunter. An einem Plakat wurden Wohnungen im „Externblock“ verkauft und es waren überall die komischsten Läden. Es gab eine ungemein hohe Anzahl von Krimskramsläden, bei denen man nicht definieren konnte, auf was sie spezialisiert waren. Ebenfalls gab es viele Läden, die sich anscheinend diesen Sammelkarten gewidmet haben, von der Max eine bekommen sollte durch die Wette und dann gabs noch vereinzelte Waffenläden sowie Konsumgüterläden, in denen man irgendwelche mystischen Dinge kaufen konnte und Pergament.
Es gab überall kleine und große Gassen und teilweise freigeräumte Gebiete mit speziellen Formationen, aber größtenteils war die Hauptstraße das Gebiet, welches ich am meisten nutzte um voran zu kommen. Ich war dem Tor, welches den 5. vom 4. Kreis trennt, ziemlich nahegekommen und ich sah von weitem ebenfalls viele Werbetafeln und Läden aber eine andere Struktur der Straße. Es gab mehr Abzweigungen und weniger kleiner Häuser.
Ich machte mich mit Entschlossenheit auf den Weg zum Tor als plötzlich alle Lichter um mich herum und anscheinend in der ganzen Stadt aus gingen. Ich drehte mich um und es nahm alles einen bedrohlichen roten Schimmer an, als hätte man einen roten Farbfilter über das Auge gelegt.
„Achtung! Eine wichtige Durchsage an alle Einwohner der Stadt!“
Mein Magen drehte sich bei dem Ton dieser Stimme um. Es klang so als würde die Stimme nicht von irgendwo kommen, sondern, als würde sie in meinem Kopf sein. Die Stimme hörte sich an als würde jemand versuchen einen Rülpser zu unterdrücken aber er ertönte doch im geschlossenen Mund.
„Innerhalb der Stadt befindet sich ein Eindringling einer anderen Spezies. Womöglich versucht dieser Eindringling alle Nachtschatten auszulöschen. Der Eindringling sieht nicht wie ein Nachtschatten aus und beherbergt staatlich geheime Information. Bitte melden Sie umgehend jedes unvernünftige Verhalten den Behörden. Die Sicherheit der Nachtschatten bleibt so erhalten.“
Bidde was?
Ich drehte mich um und die Lichter an den Leuchttafeln gingen langsam wieder an.
 
Die meinen mich. Verdammt. Was meinen die mit staatlich geheimen Informationen? Ich muss schleunigst wieder zum Versteck. 
Ich ging schnellen Schrittes wieder zurück zum Tor, welches den 5. und den 6. Kreis trennt um wieder zum Versteck zu gelangen. Gedanken schwirrten ungeordnet in meinem Kopf herum. Ich begann zu schwitzen und das zwicken im Schritt wurde unerträglich.
 
Behalt nen Kühlen Kopf. Max wird mit seinen Freunden sicherlich eine Lösung finden. Ach wird er das? Die haben doch selbst keine Ahnung wie man von hier wegkommt. Du wirst gesucht und du wirst früher oder später gefunden. Sie haben noch nie versucht vom Planeten zu kommen. Bestimmt gibt es irgendwie einen Weg.  
Ich war wieder bei den Wohnblöcken angekommen und hatte immer öfter das Gefühl, dass mich noch jemand außer den Arbeitern beobachtet. In immer kürzeren Zeitabständen drehte ich mich um, um sicherzustellen, dass niemand hinter mir ist.
 
Verdammt nochmal bleib ruhig. Jedes unvernünftiges Verhalten wird sofort bemerkt. Hör auf so paranoid zu sein.  
Es war als würde das Gewand noch enger als meine Brust liegen als sonst. Ich konnte nur mit Anstrengung atmen und zwang mich ruhig zu bleiben.
Es ist nichtmehr weit bis zum umliegenden Wald. Nichtmehr weit.
Meine Luftröhre fühlte sich wie ein Strohhalm an und ich musste flach atmen, damit ich kein Aufsehen errege. Es war unerträglich und doch hielt ich es irgendwie bis zum Stadtrand aus. Ich schaute noch ein letztes Mal zurück und sah nur den Fluss von Arbeitern, die in eine kleinere Straße zwischen Häusern einbogen. Als ich sicher war, dass mir niemand gefolgt ist, ging ich in den Wald hinein. Die Sonne stand jetzt am Zenit und die Wurzeln der morschen Bäume waren viel besser zu sehen. Ich kämpfte mir schnell einen Weg durch das Dickicht und sah schon den Hügel.
 
Gleich wird die Tür vor mir erscheinen. Ich muss nur näher heran treten.  
Ich achtete scharf auf den Hügel und bei einem Schritt war es so, als würde ich mir eine Brille anziehen. Die Tür erschien als wäre sie immer da, nur verschwommen im Hügel. Ich beeilte mich die Tür auf zu machen und ging schnell in das Versteck. Das Neonlicht war aus aber ich ließ die Tür einen Spalt offen, damit Licht reinströmen konnte. Es war noch niemand da.
 
Ich hoffe sie kommen hierher und lassen mich nicht im Stich.  
Ich setzte mich zitternd auf den Stuhl. Warum war es plötzlich so kalt?
 
Es vergingen Minuten. 5. 10. 15. 20.
Nach 30 Minuten Wartezeit hörte ich gedämpfte Stimmen. Freude durchstreifte meinen Körper und ich sprang auf, bereit dafür, dass die Tür auf gemacht wird und die Nachtschatten eintreten würden aber das passierte nicht. Die Stimmen blieben nicht weit von der Tür stehen und ich bewegte mich zur Tür um zu lauschen. Ich legte mein Ohr an die Tür und verstand nur mit Mühe die Stimme von Max.
 
„schon. Das er aber sowas haben soll ist unvorstellbar. Der hat keine Ahnung von uns und von Basismechaniken. Er hatte nichtmal davon Ahnung, dass nicht einfach jeder Teleportation beherrscht. Woher oder besser wie soll der irgendwas geheimes wissen?“
Danach hörte ich die Stimme von Orange
„Der kann doch auch einfach schauspielern. Schonmal daran gedacht? Die beste Taktik ist es doch zu tun als wäre man der Freund seines Feindes. Sicherlich nutzt er uns einfach nur aus um irgendwas zu machen.“
„Aber wenn er wirklich Ahnung hätte was er macht, dann wäre er doch schon längst weg. Meine Fresse warum könnt ihr nicht verstehen, dass der Typ ne absolute Flachpfeife ist und sein einziger Wunsch darin liegt einfach nur nach Hause zu kommen?!“
Das war die Stimme von Max. Er schien irgendjemanden ziemlich hart zu verteidigen oder mich. Empörung stieg ihn mir auf.
 
Für die bin ich ein „er“?!  
Aber dann erinnerte ich mich daran, dass es für Nachtschatten wohl keine bessere Methode gab.
„Trotzdem sind wir dafür ihn auszuliefern. Mir hat die Idee direkt nicht gefallen einen Menschen zu uns zu nehmen. Wo waren die in deinem Buch auf der Bedrohungsskala? Hinter Pletoniern? Und wie alt war das Buch? Womöglich sind die schon längst viel heftiger als alles was dort aufgeschrieben war!“ sagte wieder Orange.
Mir lief es kalt den Rücken runter.
Zwei gegen einen. Sie wollen mich ausliefern.  
„Kannst du dich auch nur an ein einziges Szenario erinnern, in denen es eine gute Idee war sich an die Behörden zu wenden?“
Daraufhin folgte Stille. Anscheinend gab es keines.
„Ich müsste aber sagen, dass ich es absolut nicht berauschend finde einen vom Staat gesuchten Menschen bei uns zu verstecken. Bisher gab es doch noch keine Komplikationen weil wir uns immer aus solchen Situationen mehr oder weniger rausgehalten haben. Jetzt würde uns aber auch die Gefangenschaft drohen, wenn wir bei sowas auffliegen. Ich will so ein Risiko nicht eingehen.“ Sagte jetzt der Nachtschatten mit den blauen Augen.
 
Das stimmt. Sie kennen mich kaum und da wollen die nicht wegen mir ihre Freiheit riskieren. Ich kann ihnen das absolut nicht übel nehmen.  
„Geht. Geht einfach. Ich warte hier auf ihn, da er bald aufkreuzen sollte.“ Sagte Max woraufhin sich Schritte weg bewegten. Ich ging von der Tür weg und prompt wurde sie geöffnet. Max stand 2 Schritte vor mir im Türrahmen und starrte mich an. Den Blick hielt ich stand. Wir schauten uns eine gefühlte Ewigkeit an und ich entschied mich die Stille zu brechen. „Ich bin eine sie. Ein weiblicher Mensch.“
Wieder Stille.
„Du bist schneller als ich dachte.“ Sagte Max und betrat das Versteck. Er drehte sich um und ich bemerkte eine Rune im Türrahmen. Es war wieder die römische eins, nur war diesmal der obere Strich länger. Max hielt seine rauchige Hand über die Rune und die Lichter gingen an. Er schloss die Tür und verharrte. Sein Kopf neigte sich nach unten und er gab ein Geräusch von sich, als würde der Kaputte Ventilator ein Stück Papier in sich aufnehmen. Ich ließ es ebenfalls als Seufzer durchgehen.
„Du kennst meinen Namen und musst verstehen, dass ich ihn dir nicht einfach so gegeben habe. Ich vertraue dir und auch wenn es vielleicht nicht so scheint, will ich dir helfen. Du sollst ein Staatsgeheimnis haben also?“ Max schaute auf und drehte seinen Kopf um 180 Grad. Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken und ich musste dabei an eine Eule denken.
„Max, ich-“ „Wir müssen weg hier.“
Max unterbrach mich kalt und ich spürte wieder Empörung in mir aufsteigen. Er drehte seinen Körper um, ging zum Tisch und stützte seine Arme ab. „Okay also. Wir müssen irgendwie weg von hier um dich wieder nach Hause zu befördern. Wir müssen weg von diesem Planeten. Die Stadt einfach zu verlassen geht nicht, der Staat hat seine Augen überall außer hier, glaub mir.“
„Darf man die Stadt denn einfach so verlassen?“ fragte ich mit Hintergedanken an die Aussagen von Max am diesen Morgen. Kontrollstaat.
„Was glaubst du?“
„Mit einer richtigen Genehmigung geht alles.“
Max schwieg. Nach einer kurzen Pause stellte er sich wieder gerade hin und verschränkte seine rauchigen Arme.
„Das letzte Mal als ich ein Raumschiff von hier aufsteigen sah, kam ich gerademal in die Schule. Wie wird bei euch Zeit nach Tagen berechnet?“
„7 Tage sind eine Woche, 30 Tage ein Monat und 365 Tage ein Jahr“ sagte ich schnell.
„Vor 4 Jahren und 3 Monaten.“
 
Wie kann man nur so schnell rechnen? 
„Das ist ziemlich lange Zeit. Raumschiff ist also keine Option?“ fragte ich obwohl die Antwort eigentlich klar ist.
„Muss ich dir das beantworten?“ fragte er und setzte sich auf einen Stuhl. „Wir brauchen etwas anderes. Aber als erstes müssen wir herausfinden wie unser Sonnensystem aussieht und welche Planeten wir nehmen können als Alternative.“
„Und du kannst nicht einfach so einen Lehrer fragen? Es gibt doch sicherlich mehr Nachtschatten die wie du gegen das System sind.“ Sagte ich und tat es ihm gleich.
„Naja ich würde mich dadurch in hohe Gefahr begeben. Warum will ich das wissen? Ist mir das so wichtig nur aus reines Interesse? Du willst doch nicht etwa abhauen? Solche Fragen werden mir definitiv entgegenkommen und das möchte ich vermeiden.“
 
In dem Moment wusste ich worauf er aus wollte.
„Du machst einen Abstecher in die verbotene Abteilung der Bibliothek?“ fragte ich.
 Verbotenes Wissen kann man dort anscheinend ziemlich gut vorfinden und sicherlich wird das nützlich. Hoffentlich.
„Ich? Nein wir. Wir werden dort diese Nacht rein gehen und herausfinden, wie wir von hier wegkommen.“
Bei dieser Antwort weiteten sich meine Augen. Wir beide?!
„Ist es nicht ein bisschen gefährlich mich mitzunehmen?“
Max stand ein bisschen zu energisch auf, sodass seine Tasche hin und her baumelte.
„Die Bibliothek ist das vielleicht am wenigsten bewachte Gebäude in der ganzen Stadt. Die Abstinenz von Nachtschatten sorgt dafür, dass die Bibliothek praktisch unsichtbar ist. Irgendwie mag niemand diesen Ort. Ich weiß nicht warum aber das macht es umso leichter in die verbotene Abteilung zu kommen.“
Er ging zu Tür, machte sie auf und schaute zu mir rüber. „Kommst du oder nicht?“
Oh Gott er meint es ernst.
Ich stand auf und folgte ihm rasch.
 
Wir kamen sehr schnell durch den Wald zu der äußersten Straße des 6. Ringes und anstelle der Hauptstraße zu nehmen, bog Max nach rechts ab um weiter an der Außenseite entlang zu laufen.
„Läuft hier nicht die Patrouille?“ fragte ich, erneut leicht aus der Puste wegen dem schnellen Gang von Max. Irgendwie schafft er es so schnell zu laufen, dass es bei mir ans joggen herankommt.
„Ja aber die macht nichts, wenn sie nichts besonderes sehen. Wir mussten dich aufhalten, damit sie nicht nach einer Genehmigung fragen aber um in der Stadt herum zu laufen braucht man keine Genehmigung. Außerdem sind sie hinter uns und wenn wir schnell genug sind, begegnen sie uns erst garnicht.“
 
Hört sich doch ganz gut an.  
Wir gingen eine gefühlte Ewigkeit am Stadtrand entlang und als ich endlich nachgeben wollte und mich vorbereitete Max zu fragen ob er nicht etwas langsamer gehen könnte bog er nach Links in eine Seitenstraße ein. Ich machte daraufhin wegen dieser plötzlichen Wendung den Mund wieder zu und gab mir größte Mühe mit Max mitzuhalten.
Wir gingen noch weitere 10 Minuten und plötzlich kamen wir von der kleinen engen Seitenstraße auf einen größeren Platz mit einem größeren Gebäude, welches sich von den umliegenden silbernen Hochhäusern und den schwarzen Wohnblöcken abhob. Es war mehr Gold enthalten und es besaß auch eine silberfarbene Kuppel, an der eine Art dunkelvioletter Kristall befestigt war. Das Gebäude hatte große Fenster, die verziert waren mit vielen Farben, vor allem Rot und Gold. Es hingen auch ebenfalls Banner von ein paar Stellen, die das gleiche Symbol anzeigten, wie der Zentralring von Max‘ Karte. Dann sprang es mir ins Gehirn.
 
Das hier muss die Bibliothek sein. Sie sieht sehr schön aus. 
„Willkommen“ sagte Max, drehte sich um, streckte seine Arme aus und ging im Rückwärtsgang in Richtung Bibliothek. „Bei der einzigen wirklich glaubhaften Wissensquelle: Der Bibliothek!“
Ich spürte, wie die Freude förmlich von Max austrat. Ihm gefiel dieser Ort hier anscheinend sehr.
Wir gingen in die Bibliothek hinein und sie war innen genauso schön wie von außen. Auf dem Boden war ein rot-goldener Teppich mit leichten Türkis-tönen und die Decke war gigantisch, glänzend und silbern. Bücherregale von bis zu 30 Metern stiegen in die Höhe am Ende des Raumes, der wahrscheinlich einen Durchmesser von 120 Meter hatte. Ganz hinten konnte ich einen eisernen Zaun erkennen und dahinter waren ebenfalls Bücherregale.
Meine Augen konnten sich garnicht satt sehen. Es hingen scheinbar Hologramme über den Reihen um zu identifizieren, zu welcher Kategorie die Bücher gehörten und jedes Bücherregal war aus anderen Holzarten gefertigt. Ich konnte auf den Hologrammen vom Eingang aus Dinge lesen wie „Physik“, „Elemente“, „Kampfkunst“ und „Tränke“.
Links vom Eingang war eine im Vergleich zum ganzen Raum ziemlich kleine Rezeption an der ein Nachtschatten mit dunkelgrünen Lichtern als Augen saß.
„Willkommen in der Bibliothek von Tropia. Wie ich sehe haben wir einen neuen Kunden.“ Sagte der Nachtschatten mit einem überraschend sanfterem Ventilatorrattern, ähnlich wie Max.
„Der gehört zu mir. Er ist von den südlichen Kappensiedlungen und hat vor kurzer Zeit das Pflanzenstudium angefangen.“ Sagte Max schnell und machte sich auf den Weg in das Innere der Bibliothek. Ich folgte ihm ohne Aufforderung.
Wir gingen an vielen Bücherregalen mit vielen Hologrammen vorbei. Es gab unglaublich viele Unterteilungen wie „Geistlicher Exorzismus“ und „Physischer Exorzismus“.
Ich machte mir erst garnicht die Mühe zu versuchen alles zu lesen, da ich mehr als die Hälfte sowieso nicht verstand und nach 2 Minuten Laufzeit kamen wir zu den etwas höheren Bücherregalen an und dann bogen wir nach rechts ab und dann sah ich es: Kräuter. Eins dahinter war dann die Aufschrift Pflanzen und noch eines dahinter war die Aufschrift Hochgiftige Pflanzen und damit waren wir am Ende angekommen. Links von uns erstreckten sich nebeneinanderstehende Bücherregale voll mit Büchern über hochgiftige Pflanzen und rechts von uns erstreckten sich Bücherregale mit Büchern über das Triumphereignis des Falgonclans. Vor uns war eine Wand an der ein Tisch stand und oben drüber war ein Fenster. Max machte es auf.
„Es ist ziemlich stickige Luft hier drinnen. Wahrscheinlich wurde hier schon seit langem nicht mehr gelüftet.“ Sagte er und drehte sich zu den Bücherregalen mit den Pflanzenbüchern um. „Gut. Da wären wir. Hier kannst du jetzt so viel über deine Pflanzen lesen bis die Bücherei in 2 Stunden zu macht. Dann schließen wir wieder das Fenster und gehen wieder.“
Ich verstand worauf er hinausging und nickte. Dann ging ich zu den Bücherregalen und schaute mir die Bücher an. Es standen viele Bücher darin mit viel zu langen Namen aber eines sprang mir in die Augen. Es hieß „Nutzungsgrad der Daffondelie“.
 
Ich nahm es, setzte mich wieder an den Tisch und legte die Tasche neben mir auf den Boden. Kurze Zeit später setzte sich Max zu mir mit einem Buch namens „Extraktionsverfahren des Feuerbannsiegels“.
Ich dachte nicht darüber länger nach und schlug das Buch auf. Die nächsten zwei Stunden verbrachte ich damit zu lesen, wie man aus einer Daffondelie Rauchbomben, Gärungsmaschinen und teilweise sogar Visionsrituale machen konnte. Die Daffondelie war wie in dem Buch, welches mir Max am Morgen gegeben hat tatsächlich nicht sehr besonders aber ich fand es dennoch sehr spannend und es war für mich als „Neueinsteiger“ in solch eine neue Welt das perfekte Material.
 
Bringt man die verarbeiteten Blätter in Verbindung mit einem simplen Funktionssiegel um Energie hinein aufzuladen, kann man diese Blätter als eine sehr primitive Batterie verwenden. Lädt man die Blätter mit genug Energie auf, werden sie ziemlich instabil sein und bei einem Aufprall eine betäubende Energiewelle ausstoßen, die sogar einen unvorbereiteten Nachtschatten außer Gefecht setzen kann. Mischt man das ganze…  
Ich spürte ein leichtes tippen auf meiner Schulter. Oh Gott wurde ich erwischt?
 
Mein Kopf schellte hoch und ich schaute schnell zurück. Hinter mir stand der Nachtschatten mit dunkelgrünen Augen. „Die Bibliothek schließt jetzt. Bitte verlassen Sie das Gebäude.“
Ich schaute Max an, der jetzt neben mir stand. Ich war so vertieft im Buch, dass ich garnicht merkte, wie die Zeit verflog.
 
Waren zwei Stunden wirklich so schnell vergangen? 
Ich nahm das Buch über die Daffondelie und brachte es schnell zurück zu der Stelle wo ich es rausgenommen hatte. Auf dem Weg hörte ich, wie Max mit dem Nachtschatten sprach. Meine Ohren spitzten sich.
„..Büchern. Wir kommen gleich nach.“
 
Was er wohl zu ihm gesagt hat? 
Ich beeilte mich wieder zu Max zurück zu kehren, der gerade dabei war das Fenster zu schließen. Als er fertig war, nahmen wir unsere Taschen, er nickte zu mir und wir gingen beide wieder zum Eingang der Bibliothek. Von weitem konnte man sehen, dass vorne noch 3 weitere Nachtschatten neben der Rezeption waren. Alle hatten hell leuchtende orange Lichter als Augen. Ich konnte gerade sehen, wie sie zur Rezeption sprachen als mich Max zur Seite stieß und selbst zwischen die Bücherregale flüchtete.
„Was-“ fing ich an aber Max machte ein energisches Kreuz mit den rauchigen Armen. Ich hielt meinen Mund.
Er holte ein Stück Pergament aus der Tasche und etwas, was aussah wie ein vergammeltes Stück Holz. Er begann mit dem Holzstück auf dem Pergament irgendwelche Kurven, gepaart mit Kreuzen zu zeichnen. Als er Fertig war, hielt er mir das Stück vors Gesicht und innerhalb eines Augenzwinkerns nahm das ganze Zeug eine andere Form an und war für mich leserlich.
 
Max hatte also Recht mit diesem Pakt? Irgendwas wirkt sich darauf wohl aus, dass ich all das lesen und verstehen kann. 
Auf dem Pergament stand „Diese Nachtschatten sind Eliteeinheiten. Solche sieht man eigentlich nur manchmal aus einem der Gebäude im Zentralring rausgehen. Wir gehen jetzt an ihnen vorbei und ich erkläre dir etwas kompliziertes als hättest du es nicht verstanden. So vermeiden wir Kontakt.“
Ich nickte und dann fing Max an zu gehen. Ich ging ihm nach.
„Hast du den dritten Triumphschrei vom Megadon eigentlich jetzt verstanden?“ fragte er mich.
„Nein. Kannst du es mir vielleicht besser erklären als es im Buch steht?“ fragte ich mit dem schlimmsten Darth-Vader Imitat, dass wahrscheinlich möglich ist.
„Also. Der Triumphschrei besteht aus 6 verschiedenen Passagen. Die dritte ist die komplizierteste und die handelt darum, wie eine Elegene Zitrosmalfunktion über den Gehberkern übertritt, was für eines der apokalyptischen Ereignisse sorgt… “
 
Wir waren fast direkt neben den Eliteeinheiten. Eine davon sprach eindringlich auf die Rezeption während die zwei anderen uns beobachteten. Ich bemühte mich mein Gesicht in die Richtung von Max zu halten damit es nicht einmal danach aussah, dass ich von den Nachtschatten Notiz nehmen würde.
 
„… und demzufolge, gelang es dem Megadon die zwei vorherigen Schreie durch das energische verwirbeln der vielen verschiedenen Einheiten zu negativieren und den dritten Schrei als sein neues Zeichen anzusehen. Dementsprechend kam es zu den gigantischen Überschwemmungen der Nordkappen und deswegen liegt es…“
 
Wir waren an zwei der drei Nachtschatten vorbei und ich sah in meinen Augenwinkeln, dass die Lichter des dritten Nachtschattens dunkelrot wurden. Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken und ich zwang mich daran erinnern, welch gigantischer Schmerz durch meinen Körper zuckte nachdem ich von dem Auslöser dieses ganzen Abenteuers zuerst ins Gesicht geschlagen und danach in den Rücken getreten wurde.
Es ging ein kalter Schauer und Verbitterung durch meinen Körper und ich konnte nicht mehr sehen, was die Nachtschatten taten, da wir an ihnen vorbei waren. Ich hörte lediglich immernoch den ersten, der mit einer Stimme, als würde er eine Blechbüchse mit Fingernägeln kratzen, zum Nachtschatten an der Rezeption sprechen. Ich bemühte mich hinzuhören worüber er sprach aber die Worte von Max machten es unmöglich.
 
„… Verständnisfragen sein könnte, dass es doch genug der Finder im Norden gab, damit Megadon sich bereits mit seinen zwei vorherigen Schreien genug bedienen konnte. Damit kann ich dir aber sagen, dass zwei sehr wichtige Dinge nicht beachtet wurden: Erstens war es für Megadon unmöglich den ersten Schrei in der Nähe eines der Faltzelte zu nutzen und zweitens…“
 
Wir bogen in die Seitenstraße ein von der wir gekommen waren. Max laberte mich aber immer noch voll und das ging so weit bis wir ca. 20 Minuten auf den Außenstraßen des 6. Kreises unterwegs waren. Er hielt an und schaute mich an.
„Das heißt der dritte Triumphschrei ist einfach eine Kombination und Verstärkung der ersten zwei. Hast du das verstanden?“
Ich nickte „ja definitiv. Danke für die Erklärung.“
Max wandte sich wieder von mir ab und bog in eine Seitenstraße rechts ab. „Mit solchen Nachtschatten ist nicht zu spaßen. Ein Wort und du bist Luft.
Er ging wieder schneller die kleine Straße entlang und ich konnte ihm kaum folgen.
„Solche Eliteeinheiten sind wohl nicht allzu oft in der Bibliothek?“ fragte ich, schwer atmend.
 
Am Ende wird mein Lungenvolumen das dreifache Ausmaß annehmen als es eigentlich sein sollte.  
„Nein ich hab noch nie welche in Gruppen stillstehend gesehen. Sie laufen flüchtig im Zentralkreis manchmal umher. Was die machen geht dich, wie man es so schön sagt, so viel an wie den Tod. Garnicht außer du gehörst zur Elite.“
Ich senkte meinen Kopf und mir flogen mehrere Gedanken durch den Kopf. Wahrscheinlich ist es wegen mir.  
„Wann gabs das letzte Mal einen Eindringling in Tropia?“ fragte ich mit der Hoffnung, dass es doch öfter passiert.
 
„Das ist das erste Mal.“ Sagte Max mit einem leichten Ton von Ekel in seiner Stimme.
 
Na toll. Besser kanns doch kaum werden. Gesucht auf einem anderen Planeten mitten im Nirgendwo.  
Mein Fokus galt wiedermal dem mithalten von Max, damit ich ihn nicht verlor. Die Sonne war am untergehen und der Himmel war schon an einer Seite dunkel. Er wurde schwarz.
Ich hatte das Zeitgefühl schon lange verloren und Max bog willkürlich wieder nach rechts ab in eine weitere Seitenstraße, die wohl wieder zur Bibliothek führen sollte.
Mir kam die Karte von Tropia in den Sinn und wie viele kleine Lücken es zwischen den vielen Häusern innerhalb der Kreise gab. Hatten wir wieder vom 6. auf den 5. Kreis gewechselt ohne es zu merken?
Meine Konzentration galt weiterhin dem mithalten und ich konnte kaum merken, wie sich die Häuser immer mehr von Schwarz zu silbern wechselten.
Als wir wieder beim großen Platz ankamen auf dem die Bibliothek standen, war schon fast komplette Nacht. Die Lichter in der Bibliothek waren aus und man sah das Gebäude nur Schemenhaft. Teile vom Platz wurden von den Lichtern der umliegenden Hochhäuser erhellt aber man konnte allgemein kaum etwas sehen.
 
Max blieb abrupt stehen und ich war so konzentriert auf das schnelle gehen, dass ich in ihn rein ging und ihn heftig anstieß. Er schaute mich flüchtig an, schaute wieder zurück und legte seine Tasche auf den Boden.
Ich versuchte derweilen etwas auf dem Platz zu erkennen aber es gab nicht viel zu sehen. Die Eliteeinheiten waren wohl wieder gegangen nachdem sie nicht das gefunden hatten, was sie suchten und die Bibliothek war geschlossen.
Max hatte ein Stück Pergament herausgeholt, auf dem wiedermal eine römische Eins mit einem längeren unteren Strich eingezeichnet war. Wie bei der Feuerstelle, nur kleiner.
 
Er hängte die Tasche wieder um seine Schulter und fing an sich zum Eingang zu bewegen. Natürlich folgte ich ihm wobei er diesmal etwas langsamer ging, was eine Erleichterung für mich war.
Er hielt nicht am Eingang an, sondern ging daran vorbei und immer weiter an der Wand der Bibliothek und als die Ecke kam bog er ab und ging dicht an der Wand entlang. Ich sah ihn kaum mehr und folgte ihm anhand seiner kaum hörbaren Schritte.
Er hielt wieder sehr abrupt an aber diesmal war ich vorbereitet und er nicht so schnell. Plötzlich kam eine Lichtkugel vor mir auf. Max hielt das Stück Pergament mit dem darauf eingezeichneten Symbol auf der Handfläche und eine Flamme in der Luft schwebte darüber. Wir befanden uns direkt neben einem Fenster.
Ich schaute mich um und sah nur Schwärze und die schwach leuchtende Flamme von Max vor mir. Es war in einer gewissen Weise romantisch. Max hob seinen Arm hoch und stieß das Fenster neben uns auf. Er hielt mir eine rauchige Hand hin. Ich stieg mit meinem Stiefel darauf, legte meine Hände auf die Unterseite des Fensterrahmens und zog mich in die Bibliothek.
 
Ich kam auf dem Tisch auf, an dem wir die zwei Stunden bis zur Schließung der Bibliothek gesessen haben, und wollte Max eine Hand hinhalten, damit er auch hoch kam aber er saß bereits auf dem Fensterrahmen. Mein Mund ging unbewusst auf und ich machte ihn schleunigst wieder zu.
Als Max auch vollständig drinnen war begann er immer weiter in die Bibliothek hinein zu dringen. Wir waren an den Bücherregalen, die bis zur Decke reichten angekommen, als wir uns vor einem Zaun sahen. Es gab eine Tür an der ein Schild stand. Im Licht der Flamme von Max konnte ich es gerade so lesen. Dort stand „Verbotene Literatur, die dem Volk von Exidius sehr gefährlich ist. Zutritt strengstens verboten!
 
„Wie viel stimmt von dem was hier steht?“ fragte ich mit einem Bild von den Eliteeinheiten im Hinterkopf.
„Vielleicht ein Viertel. Hier gibt’s tatsächlich sehr viele Bücher, die deine Selbstmordtriebe ins unbeschreiblichste hinaufkatapultieren aber das liegt nicht an dem Inhalt der Bücher, sondern an den Flüchen, die auf ihnen lasten. Zudem liegen die verfluchten Bücher alle vorne, um abschreckend zu wirken. Weiter hinten sind die wahren verbotenen Schriften mit so gesehener Geheiminformation. Komm kletter da rüber, dann kann ich dir die Flamme geben.“
 
Ich schaute mir den Eisenzaun an. Er war nicht besonders hoch und wirkte auch nicht abschreckend. Ich erklomm ihn und ließ mich auf der anderen Seite fallen. Max hielt mir das Pergament mit der Flamme hin und ich nahm es vorsichtig, darauf bedacht die Flamme nicht dem Zaun zu nahe kommen zu lassen.
Die Flamme blieb erleuchtet und ich wartete darauf, dass Max selbst den Zaun erklimmen würde aber er sprang einfach drüber als wäre es nix. Dabei klappte meine Kinnlade komplett runter.
„D-du kannst so hochspringen?“ fragte ich verdattert mit einem leichten Gefühl von Eifersucht.
„Gehört dazu.“ Sagte Max und ging an mir vorbei tiefer in die Bibliothek. Ich folgte ihm.
In dem verbotenen Abteil der Bibliothek gab es keine Wegweiser und keine Indikatoren, mit denen man sich bewusst machen konnte, bei welchen Büchern man war. Max bog willkürlich links und rechts ab währenddessen ich kaum Blicke auf die Bücher erhaschen konnte und ihm folgen musste um mich nicht zu verlaufen. Die Bücherregale hier waren kaum höher als drei Meter aber es schien unendlich von denen hier zu geben.
„Woher weißt du, wo wir uns befinden?“ fragte ich während wir zwischen zwei Bücherregale bogen, die nur mit komplett schwarzen Büchern ohne Aufschrift auf den Buchrücken, gefüllt waren.
„Das hier ist ein exaktes Replikat von der eigentlichen Bibliothek, nur mit weniger Büchern und verbotenen Büchern. Die Astronomie ist relativ weit hinten im linken Teil der Bibliothek. Genauso muss es wohl hier sein.“
 
Interessant. Von außen wirkt die Bibliothek eindeutig kleiner aber wahrscheinlich sind hier irgendwelche Siegel am Werk. 
Wir kamen kurze Zeit später bei einem sehr kleinen Bücherregal an. Es war vielleicht einen Meter und hielt eine sehr kleine Auswahl an Büchern in sich. Ich wollte gerade anfangen zu zählen aber Max machte ein komisches Geräusch, weswegen ich herumfuhr und ihn anschaute. „Was ist?“ fragte ich verärgert.
 
Diese komischen Geräusche bringen nichts außer mich aus der Fassung.  
„Genauso wie bei dem betretbaren Bereich der Bibliothek gibt es kaum Bücher über Astronomie. Hoffen wir mal darauf etwas zu finden.“ Sagte er und nahm das erste Buch aus dem Bücherregal.
Das Buch selbst hatte keinen Titel und hatte einen braunen Einband. Max machte es auf und ich konnte nur irgendein Kauderwelsch erkennen. Es war teilweise ähnlich zu dem Zeug, welches Max vorhin auf das Pergament geschrieben hatte, nur verwandelte es sich in nichts Lesbares.
Max ließ sich davon aber nicht beirren und blätterte nach kurzer Zeit zur nächsten Seite um. „Du kannst das lesen?“
Max schaute zu mir auf „Du kannst das nicht lesen?“
„Nein.“
„Sehr interessant.“ Er machte eine Pause „Hier im Buch steht die Schrift der alten. Zwar die neueste Version, die dann ins neu-septes umgewandelt wurde aber dennoch immer noch die Schrift der alten.“
 
Ich kann also alles verstehen und lesen außer der Schrift der Alten? Das ist tatsächlich sehr interessant.  
Max legte das Buch wieder zurück und nahm das nächste, welches einen blauen Einband hatte und auf dem irgendetwas als Titel stand. Es war erneut in der Schrift der alten geschrieben. Ich nahm das nächste Buch, da ich nicht einfach so Tatenlos dastehen wollte um als Laterne zu dienen. Bei diesem Gedanken ging die Flamme aus und wir standen in vollständiger Dunkelheit. Ich blinzelte mehrere Male und sah dunkelviolette Lichter neben mir.
„Verdammt. Gib mir die Rune.“ Sagte Max und riss mir das Pergament aus der Hand. Nach einigen Sekunde erschien die Flamme erneut in der Luft und ich konnte sehen, dass die dunkelvioletten Lichter die Augen von Max waren. Sie leuchteten in der Dunkelheit.
„Kannst du der Rune keine Energie spenden?“ fragte mich Max woraufhin ich den Kopf schüttelte.
Er legte das Pergament mit der Rune auf das Bücherregal und widmete sich wieder seinem Buch.
Ich schaute mein Buch an. Es hatte einen schwarzen Einband und als Titel stand in goldenen Buchstaben „Schnellreise? Kein Problem!
Neugierig schlug ich das Buch auf und sah es mir an. Es war ein Buch über Anläufe sich im Weltall schnell fort zu bewegen. Es beschrieb die frühen Versuche der Nachtschatten sich im Vakuum fort zu bewegen. Enttäuscht darüber, dass es wohl nur ein Geschichtsbuch war schlug ich Seite nach Seite um und auf den letzten Seiten fand ich etwas sehr Interessantes. Wahrscheinlich sogar den Grund, warum das Buch hier im verbotenen Abteil war.
 
Wie man vielleicht mitbekommen konnte, gab es nicht besonders viele Erfolge bei den Ingenieuren. Erst in letzter Zeit sind Raumschiffe mit der Hocheffizienzklasse DET erschienen und selbst diese erreichen gerademal 73% der Lichtgeschwindigkeit. Deswegen habe ich versucht etwas noch Besseres zu finden und sah mir die kleinsten Bestandteile an, aus der alles besteht und stelle einen sehr interessanten Effekt fest: Manchmal schienen sie an einem Punkt zu verschwinden und an einem anderen aufzutauchen. Es war eine Teleportation und wenn es die kleinsten Puzzleteile der Welt machen können, kann es doch auch ein zusammengesetztes Puzzle. Ein Nachtschatten.  Ich verbrachte viel Zeit damit zu versuchen diese Teleportation in einem größeren Bereich einheitlich stattfinden zu lassen. Als es mir gelang einen Stein von der Masse eines Nachtschattens von einem Ende des Raumes zum anderen, innerhalb der Zeitspanne eines Bruchteiles des Energietransfers, zu bringen, wusste ich, dass meine Methode ausgereift war.  
Darunter war das Bild eines Pentagramms eingezeichnet. Warum ein Pentagramm? Woher?
Und unter dem Bild waren Zutaten angegeben womit man die Masse eines Nachtschattens teleportieren konnte. Koordinaten konnte man mit den jeweiligen „Energiepotentialen“ festlegen und für mehr Masse brauchte man mehr Energie.
 
„Max schau dir das mal an.“ Woraufhin Max neben mich trat. Er hatte ein Buch in der Hand und schaute über meine Schulter in mein Buch. Auf das Rezept, wie man sich von hier womöglich weg teleportieren könnte.
„Das ist brillant. Ich müsste jetzt nur eine Karte unseres Sonnensystems finden um ein Ziel für diese Rune definieren zu können.“
Entschlossenheit strömte durch meinen Körper. Ich war entschlossen von diesem Planeten abzuhauen. In Sicherheit.
„Dann lass uns weitersuchen!“ sagte ich und legte das Buch aufgeschlagen auf das Bücherregal.
„Warte. Ich muss diese Seite hier in mein Notizbuch kopieren.“ Sagte Max und legte seine Tasche auf das Bücherregal um hinein zu greifen. Er zog ein recht dickes Buch mit schwarzem Einband und ohne Beschriftung heraus. Ich wandte mich wieder den Büchern im Bücherregal zu, während Max die Buchseite exakt mit dem morschen Holzstück in sein Notizbuch kopierte.
Viele Bücher und Zeit später waren wir fast mit dem ganzen kleinen Bücherregal durch. Es waren nur noch 3 übrig von den geschätzt insgesamt 70 und es sah nicht gut aus. Die ganzen Bücher handelten nur über Sternformationen und Leuchtfeuerrunen aber keines davon beschrieb irgendeine Position von anderen Planeten, sondern schrieb nur über diese.
Max nahm das erste Buch, welches einen schwarzen Einband ohne Aufschriften hatte, klappte die erste Seite auf und stellte es sofort wieder zurück.
„Geschichtsbuch“ sagte er und nahm das zweite Buch. Ich nahm das letzte Buch und kreuzte meine Finger. Es war ein blutrotes Buch und mit schwarzen Buchstaben stand als Titel „Der Fluch in- und außerhalb von Exidius
Ich schlug es auf und arbeitete mich schnell voran. Es handelte darüber, wie es unmöglich ist, dass Exidius der einzige Planet mit Leben ist. Es schien keine genauen Positionen anzugeben und enttäuscht schlug ich die letzte Seite auf und dort viel ein extrem altes Stück Papier heraus. Es war komplett vergilbt und als es auf den Boden aufschlug, hörte es sich so an als wäre es Nass. Ich legte das Buch auf das Bücherregal und hob das Papier auf. Es war gefaltet und ich entfaltete es. Es schien eine Art Karte zu sein aber leider auch in der alten Schrift geschrieben. Dort waren Kreise eingezeichnet mit sehr vielen Linien in den Kreisen und drum herum.
„Max? Sieh mal.“ Sagte ich und hielt ihm die Karte hin. Er schaute auf und legte sein Buch auch auf das Bücherregal um die Karte von mir zu nehmen. Er musterte sie recht lange und legte sie ausgebreitet auf das Bücherregal neben unsere Bücher.
„Das hier ist eine auf Schätzungen basierte Karte unseres Sonnensystems. Anscheinend sind wir nicht die ersten, die die Position von Exidius in Erfahrung bringen wollen. Siehst du das?“
 er zeigte auf einen Kreis, der nicht weit rechts vom großen Hauptkreis auf der Mitte der Karte entfernt war. „Das hier ist wohl Exidius. Wir liegen in dem Bereich, in dem Leben möglich ist und das hat unser Vorgänger genutzt um die genaue Position auszurechnen. Er hat Lichterscheinungen, Masse und Umlaufbahn ausgerechnet. Die ganzen anderen Planeten hier scheinen aber auch basierend seinen Schätzungen und Rechnungen dort zu sein. Siehst du das?“
er zeigte auf einen Planeten, der in der gleichen Umlaufbahn von Exidius war, nur über dem mittleren Hauptkreis. „Das hier ist der nächste Planet, auf dem Leben möglich ist. Man kann ihn nur sehr selten sehen, da die Sonne es fast unmöglich macht aber er hat sein Teleskop nutzen können um dort definitiv Kohlenstoffbasierende Pflanzen entdecken zu können während den sichtbaren Zeiten des Planeten. Er hat ihn Gegenstück genannt, wahrscheinlich weil er die gleiche Umlaufbahn wie Exidius und die Gleiche Masse hat. Ein großer Zufall.“
 
Max schaute zu mir auf „Elva das ist genau das, was wir brauchen!“
Er nahm wieder sein Notizbuch und begann hastig die Karte dorthin zu kopieren. Ich legte die Bücher wieder zurück in das kleine Bücherregal und freute mich still.
 
Wir finden den Weg raus. Wir schaffen das. Wir werden es hinkriegen von hier zu flüchten!  
Ich lächelte und blickte zu Max. „Wollen wir gehen?“
Er schaute nicht von seinem Notizbuch auf „Ja, gleich. Wir haben aber ein Problem.“
 
Meine Fröhlichkeit war auf einen Schlag weg. Kann man sich doch nicht teleportieren?
„Wir brauchen für das nötige Energiepotential solch eine Reichweite zurück zu legen eine weitere hohe Energiequelle und du kannst ja keine Energie kanalisieren.“
„Heißt das wir müssen einen zweiten Nachtschatten finden?“ fragt ich mit Hintergedanken an die Freunde von Max.
Aber Max schüttelte seinen Kopf und schaute von dem Notizbuch auf. „Wir brauchen einen Energiekristall und die sind unter dem normalen Volk strengstens Verboten. Wir müssen irgendwie einen stehlen.“
Erleichterung machte sich in mir breit. Stehlen ist kein Problem.
„Aber es ist nicht so leicht wie es sich anhört.“ Sagte Max und begann das Papier mit der Karte wieder zurück in das Buch zu legen, welches wieder im Bücherregal war.
„Es gibt jeden Tag Lieferungen. Es werden Energiekristalle von irgendwoher hingebracht und die werden auf dem ehemaligen Flugplatz umgelagert. Genau bei diesem Prozess müssen wir irgendwie einschreiten. Wir brauchen einen Plan und den überlegen wir uns im Versteck.“
 
Daraufhin nahm Max seine Tasche und machte sich auf den Weg zum Ausgang.
Ich nahm das Pergament mit der Rune und folgte ihm. Die Flamme flackerte wieder, hielt aber noch.
 
Etwas Zeit später waren wir wieder auf den Weg zur Außenspur des 6. Kreises und ich hatte Zeit zum nachdenken.
 
Wird es wohl klappen? Das sollte ich wohl besser hoffen denn es muss klappen. Warum ist die Rune für den Teleport ein Pentagramm? Das muss wohl ein Zufall sein. Hoffentlich werde ich nicht beim Teleport in atomare Einzelteile zerrissen. Wird es wohl klappen von dort aus weitere Pläne zu schmieden, damit ich wieder nach Hause zurückkommen kann? Hoffentlich hoffentlich hoffentlich…So vieles ist momentan von Glück und der Planung von Max abhängig. Bitte Gott, falls es dich gibt, lass einfach nichts schief laufen hier.  
Ich grübelte den ganzen Weg bis zum Versteck in meinen Gedanken und als wir ankamen machte Max das Neonartige blaue Licht an und holte aus seiner Tasche ein zusammengerolltes Blatt Pergament heraus, welches er auf dem Tisch ausbreitete. Es war eine größere Variante der Karte von Tropia, die er mir diesen Morgen gegeben hatte, und besaß Darstellungen des Umlands von der Stadt. Es waren Wälder eingezeichnet, der Grünbaum und sogar der See.
„Hier, schau.“ Sagte Max und legte einen rauchigen Finger auf ein großes Rechteck mitten im Wald östlich von der Stadt.
„Das hier war mal der Flugplatz. Dort sind früher die Schiffe abgehoben aber jetzt haben sie den Platz für den Knotenpunkt aller eintreffender Ressourcen, und darunter auch Energiekristalle, umfunktioniert.“ Er schaute zu mir hoch und ich blickte in seine dunkelvioletten, leeren Lichter.
„Die größte Herausforderung bei der Sache wäre die Ablenkung. Der Platz wird rund um die Uhr bewacht und wir haben keine Möglichkeit dort einfach herum zu laufen. Wir müssen die Wachen von einem versteckten Punkt aus ablenken und innerhalb des Chaos irgendwie zu der Kristalllieferung, Kristalle entwenden und dann wieder zurück.“
Er blickte wieder auf die Karte, als wäre dort etwas Neues erschienen und genau in diesem Moment schien mein Gehirn etliche von Gedanken innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde gleichzeitig zu verarbeiten und mir blieb eine Sache im Kopf:
 
„Daffondelie.“ Sagte ich beinahe Tonlos und an niemanden außer mich selbst gerichtet.
„Was?“ fragte mich Max ohne von der Karte aufzuschauen.
„Die Daffondelie. Ich habe in der Bibliothek sehr viel über sie gelesen und sie ist exzellent zum erstellen von Rauch. Wenn wir sie nutzen, dann können wir ganz leicht Rauchbomben als Tarnung nutzen und problemlos die Kristalle kriegen.“
Max hieb seinen Kopf ganz langsam nach oben ohne ihn zu mir zu drehen.
„Das ist genial. Weißt du wo es solche Pflanzen gibt?“
Ich nickte und gab ihm das Pergament mit der Rune. „Kannst du das an machen? Ich werde sie ohne Licht nicht sehen können.“ Woraufhin Max das Pergament auf seine Hand nahm und die Flamme erzeugte. Er gab es mir wieder zurück und ich begab mich auf den Weg zum Grünbaum.
 
Als einfaches Gefäß kann man auch simpel die Blütenblätter selbst nehmen. Sie sind robust und leicht entflammbar. Legt man dort die kleingemachten Schlaufen, die Rauch erzeugen, hinein und sorgt für wenig Freiraum innerhalb des Blattes, kann man leicht ein Stück herausstehen lassen, anzünden und die improvisierte Rauchbombe verwenden. Kleine Nachtschatten lieben das bei Spielen zu verwenden, da…  
Ich war bei der Daffondelie angekommen. Sie war genauso wie ich es in Erinnerung hatte und die schwarzen Schlaufen wirkten so fehl am Platz wie eh und je. Ich nahm zehn Blätter und so viele Schlaufen wie in 10 Blätter, die die Größe einer halben Hand haben, reinpassen würden. Ich legte beides in meine Tasche und machte mich wieder auf den Weg zurück und versuchte mich daran zu erinnern, wie man die Blätter korrekt zuknoten muss damit dort möglichst wenig Freiraum ist.
Wieder beim Versteck angekommen setzte ich mich an den Tisch und suchte mir ein Werkzeug heraus, welches stumpf und möglichst kurz war und nahm eine der dort herumliegenden Muschelschalen. Ich hatte mich für ein Werkzeug entschieden, welches ähnlich aussah wie eine Taschenlampe, jedoch war sie aus Stein und dort Anstelle von einer Linse ein schwarzer Stein.
Ich legte eine schwarze Schlaufe in die Muschelschale und begann sie mit dem Werkzeug in kleine Stückchen zu zerreiben. Nachdem ich fertig war, nahm ich die Schwarze Masse, legte sie auf eines der Blätter und begann das Blatt einzuwickeln. Das Blatt blieb an der schwarzen Masse haften und ich ließ ein Stück des Blattes herausschauen, was als improvisierte Zündschnur dienen sollte.
„Und das soll laut den Büchern extrem viel Rauch verursachen. Sollen wir es testen?“ fragte ich und nahm das unförmige Blatt in die Hand. Max nahm erneut das Pergament mit der Rune in die Hand, entfachte das magische Feuer und gab mir das Stück. Ich ging zur Tür, machte sie auf, zündete das herausstehende Stück Blatt an und warf es etwas vor den Eingang des Verstecks.
Die Flamme verblasste und einige Sekunden vergangen. Ich wollte gerade enttäuscht aus dem Versteck heraustreten um die Bombe wieder zu nehmen als ein kleines plopp ertönte und ich komplett in blauem Rauch gehüllt war. Es geschah im Bruchteil einer Sekunde und ich stolperte vor Überraschung zwei Schritte zurück. Ich hörte hinter mir ein Geräusch als würde eine Laterne umfallen und die Tür wurde geschlossen.
Es trat nun neben dem ständigen Geruch von Lakritz und abgestandener Luft ein anderer Geruch in meine Nase. Es roch ähnlich wie Vanille gemischt mit Puderzucker. In der Kombination musste ich meine Nase rümpfen und ich nahm die Maske ab, nur um sie wieder direkt anzuziehen, da ein immenser Hustenreiz durch den Rauch kam.
„Max? Wie wollen wir den Rauch hier wegbekommen?“ sagte ich mit krächzender Stimme.
Es gab keine Antwort woraufhin ich mich auf den Boden legte um einen kleinen Überblick zu kriegen, was jedoch nicht half.
„Mach das Feuer aus!“ sagte Max ein paar Schritte vor mir und ich merkte, wie ich immer noch das Pergament mit der Rune in der Hand hielt. Ich versuchte das Feuer aus zu pusten, jedoch funktionierte es nicht.
 
Natürlich funktioniert auspusten nicht, wenn du immer noch die Maske an hast.
Ich zog die Maske hoch und pustete. Es half und die Flamme ging aus. Der Rauch fing an sich zu legen und ich konnte langsam wieder den Raum erkennen. Nach fünf weiteren Minuten war der Rauch fast komplett verschwunden und ich stand Max gegenüber.
„Ich würde meinen es funktioniert.“ Sagte ich und zog die Maske wieder über meinen Kopf.
 
 
Kurze Zeit später befanden wir uns erneut draußen in der Dunkelheit, auf dem Weg zum ehemaligen Flugplatz. Max ging wie immer sehr schnell und ich hatte Mühe ihm zu folgen.
„Und warum genau sind diese Kristalle verboten?“ fragte ich schnaufend.
„Wahrscheinlich wegen dem, was wir vorhaben. Anders als bei vielen anderen Sachen bekommen wir in der Schule zu wissen, dass es solche Kristalle überhaupt gibt. Es gibt normale Energiekristalle und höher gewertete Kristalle, Helixkristalle. Helixkristalle sind im Prinzip genauso wie Energiekristalle, nur können sie eine höhere dauerhafte Energieversorgung aufrechterhalten. Ein Mini-Kraftwerk, wenn man es so haben will. Normale Energiekristalle sind in dem Aspekt ähnlich wie eine unerschöpfliche Batterie.“
 
Also sind solche Kristalle einfach nur Energiequellen. Warum haben wir sowas nicht auf der Erde?  
„Wie entstehen solche Kristalle?“ fragte ich.
„Das weiß man nicht. Sie kommen in der Erde vor und es gibt Theorien, dass solche Kristalle irgendein Überrest sind von etwas Größerem, energiereicherem. Uns wurde auch gesagt, dass ohne solche Kristalle Leben nicht möglich sei aber euer Planet hat offensichtlich keine Energiekristalle.“
 
Etwas Großes und Energiereiches, hm? Vielleicht kommt sowas durch Zufall zustande und der Auslöser war der Urknall?  
Wir gingen immer weiter am äußeren Ring entlang. Ich grübelte in meinen Gedanken bis ich ein Geräusch hinter uns hörte, was einem knacken ähnelte. Max fuhr mit mir blitzschnell herum und mein Magen drehte sich um. Vor uns standen mindestens 3 Nachtschatten. Rauchige Gestalten, alle mit hellorangenen Augen. Eliteeinheiten?
Max trat schnell einen Schritt vor um neben mir zu stehen. Mein Herz klopfte bis in den Hals und ich schluckte nervös.
„Gibt es irgendein Problem?“ fragte Max, ebenfalls sehr nervös.
„Hey man ich hab dir doch gesagt, dass wir den Typen hier nicht finden. Das wäre viel zu offensichtlich für ihn. Lass uns wieder gehen.“ Sagte einer von den Nachtschatten mit einer Stimme als würde man ein Blasebalg bedienen.
Ich blinzelte irritiert und schaute zu Max herüber. Er starrte immer noch die Nachtschatten an. Ich drehte meinen Kopf wieder zurück und ich blieb vor Überraschung stocksteif stehen. Die Nachtschatten waren weg. Keine Spur von ihnen.
Ich drehte mich einmal im Kreis um mich zu vergewissern, dass sie wirklich weg waren und schaute dann zu Max. „Glück gehabt?“ fragte ich vorsichtig. Max drehte sich wortlos um und ging weiter in Richtung Flugplatz.
 
Was hat das zu bedeuten? Suchen sie immer noch nach einem Menschen wie mich oder war es wieder irgendein anderer Einsatz von denen?  
Ich griff geistesabwesend immer wieder in die Tasche und dachte an die Rauchbomben um sie letzten Endes immer wieder in den Fingern zu spüren. Wir gingen bis zur westlichen Seite des Außenrings ohne Komplikationen und begaben uns in die Natur um zum Flugplatz zu kommen. Wir erklommen eine Steigung und zehn Minuten später waren wir hoch oben auf einem Hügel, von dem man eine Ebene beobachten konnte, die von etlichen Lichtern erleuchtet wurde und wo sich viele Gestalten bewegten. Der Flugplatz.
„Wir sind angekommen.“ Sagte Max und setzte sich auf einen Stein. Ich tat es ihm gleich und setzte mich neben ihn. Es ging eine ungemeine Kälte von ihm aus, als würde ich neben einem Klotz Trockeneis sitzen.
„Ich war hier früher, wenn ich Freizeit hatte und meine Freunde noch nicht frei hatten. Die nächste Ladung sollte in ungefähr 12 Minuten kommen.“ Sagte Max.
 
12 Minuten also? Na das kann ja ein Spaß werden. Was wenn etwas nicht klappt? Was ist, wenn wir verhaftet werden? Was werden die Nachtschatten mit mir anstellen, wenn sie mich in die Finger kriegen?  
„Also folgender Plan…“ fing Max an, woraufhin ich meine Ohren spitzte um ihm aufmerksam zuzuhören. „Sobald die Ladung kommt wirfst du eine Bombe in die Mitte dort drüben, wo die ganzen leeren Blöcke sind.“ Er zeigte auf die Mitte des Flugplatzes, wo Kisten aufeinandergestapelt waren. „Und dann spring ich runter, sobald sie dem Rauch Aufmerksamkeit schenken. Du wirfst dann eine Bombe zu dem Wagen, der mit den Energiekristallen befüllt sein wird und in dem Tumult schnapp ich mir zwei davon und lege sie in meine Tasche. Danach schau ich, wie ich zurückkomme.“
Er blickte zu mir „Hast du das verstanden?“
Ich nickte und schaute tief in seine dunkelvioletten Lichter. Was sich wohl dahinter verbirgt?
 
Ich schaute in die Ferne und dachte über alle möglichen Sachen nach um mir die Zeit zu vertreiben.
 
Wahrscheinlich nur noch 10 Minuten. Wie ist es wohl bei mir zu Hause? Meine Eltern machen sich wahrscheinlich schon Sorgen und die Polizei wurde eingeschaltet. Ich weiß nicht wie ich denen mein plötzliches verschwinden erklären kann. Sollte ich vielleicht die ahnungslose spielen? Irgendwo einfach aus dem Wald herauskommen um dann gefunden zu werden? Da werde ich vielleicht mit Amnesie diagnostiziert und komme in irgendeine Irrenanstalt um mich wieder an alles erinnern zu können. Was werden wir machen, wenn der Planet doch nicht so gleich ist wie dieser hier und dort irgendetwas lebt, was uns aufhält? Was sollen wir machen, wenn wir nicht mehr von dort wegkommen? Wie soll ich wieder nach Hause kommen? 
Ein mulmiges Gefühl machte sich immer breiter in mir, je mehr wir warteten. Es war fast so als würde ich gleich in der Schule einen Vortrag vor der ganzen Klasse halten müssen, nur war es kein Vortrag, sondern etwas viel wichtigeres. Ich hoffte einfach inständig, dass nichts schiefgehen wird.
 
Ich hörte ein Geräusch, welches einem aufatmen ähnelte und schaute auf. Mein Kopf war nach unten gesackt während meinen Grübeleien. Viel zu müde.
Auf dem Flugplatz tat sich etwas. Es waren nun mehr Kisten im Zentrum des Platzes und eine breite, dunkle Silhouette bewegte sich immer näher zum Licht des Flugplatzes. Ich griff in die Tasche rein und dachte an die Rauchbomben und sofort konnte ich eine der Kugeln zwischen den Fingern spüren.
Ich nahm sie heraus und nahm das Pergament mit der Rune und der fliegenden Flamme um jederzeit die Rauchbombe entzünden zu können. Sobald ich alles in der Hand hatte, schaute ich zu Max, der jetzt aufgestanden war und sich wohl bereit machte nach unten zu springen.
 
Die Silhouette war nun ins Licht gekommen und es war ein Auto. Ein sehr komisches Auto und es schien nicht auf Rädern zu fahren, sondern in der Luft zu fliegen und es bewegte sich ziemlich langsam. Auf dem Auto selbst schien eine Fläche zu sein, auf der man Sachen stapeln konnte und es war eine Plane über diese Fläche gestülpt. Um das Auto herum versammelten sich noch keine Nachtschatten, da sie anscheinend darauf fokussiert waren, so viele Kisten wie möglich in das Zentrum des Flugplatzes zu schaffen.
„Jetzt“ hauchte Max und ich zuckte zusammen um daraufhin die erste Rauchbombe anzuzünden. Ich hielt sie an die Flamme und zuerst wollte sie sich nicht entzünden doch dann übertrug die Flamme sich auf das Blatt und begann herunter zu brennen.
 
Bitte verkack das jetzt nicht. 
Und ich warf.
 
Die Kugel flog in einem meisterhaften Winkel direkt auf eine der Kisten und sorgte sogar dafür, dass eine davon von dem Stapel umkippte und auf den Boden flog. Alle Nachtschatten drehten sich blitzschnell zum Zentrum um scheinbar die Geräuschquelle zu untersuchen und keine Sekunde später war alles in undurchdringlichem Rauch gehüllt.
Von weitem hörte es sich an als würde man ein nasses Handtuch durch die Luft flattern lassen. Alle Nachtschatten sprinteten ins Zentrum um offensichtlich dem plötzlichen Rauch auf den Grund zu gehen und das war der Startschuss von Max. Er sprintete mit einer ungemeinen Geschwindigkeit den Hügel hinunter und bewegte sich zuerst in die Richtung des Rauches, damit er wirkte wie die anderen Nachtschatten, um dann kurze Zeit später zu mir nach oben zu schauen. Wirf die weiteren Kugeln.
Ich zündete eine weitere Kugel an und holte aus, um ans Ende des Flugplatzes zu werfen, und warf.
 
Die Kugel flog mit einer so schnellen Geschwindigkeit, dass ich sie kaum beobachten konnte und traf auf den Boden dicht neben dem Auto, um keine weitere Sekunde auch dort für viel Rauch zu sorgen. Die Richtung von Max änderte sich und er sprintete zum Auto. Die anderen Nachtschatten schienen nichts zu bemerken und waren damit beschäftigt, in den Rauch hinein zu gehen.
Max kam beim Auto an, sah sich um und ging in den Rauch. Ab dem Zeitpunkt an konnte ich nichtmehr sehen, was Max tat. Ich blickte zurück zum Zentrum und sah, dass der Rauch sich zu lichten begann. Oh nein, oh nein!
 
Ich nahm eine weitere Rauchbombe, entzündete sie und warf sie ins Zentrum, damit weiterhin Verwirrung erhalten blieb. Ich traf den Nebel, konnte jedoch nicht sehen, was ich traf. Kurze Zeit später war der Rauch erneut super dicht und die ersten Nachtschatten kamen heraus mit Kisten in den rauchigen Händen. Sie stellten sie außerhalb des Rauches ab und gingen schnell wieder hinein. Der Rauch beim Auto begann sich ebenfalls aufzulösen und ich nahm erneut eine Bombe, entzündete und warf sie um den Rauch aufrecht zu erhalten.
 
Wie lange braucht denn Max noch? Ich habe nicht gesehen, wie er den Rauch wieder verlassen hat.
 
Ich knirschte mit den Zähnen und blickte wieder zum Zentrum. Ein paar Nachtschatten schienen sich umgeschaut zu haben und bewegten sich zum Rauch, der das Auto umgab. Ich bückte mich, damit ich unbemerkt blieb. „Komm schon!“ brachte ich zähneknirschend heraus und blickte zum Flugplatz. Viele Kisten waren nun außerhalb des Rauches und es verließen immer mehr Nachtschatten den Rauch mit Kisten. Ebenfalls wurden immer mehr auf den Rauch beim Auto aufmerksam und dazu schauten sie sich um.
Ich ging schnell hinter den Stein in die Hocke und lugte von dort heraus. Der Rauch beim Zentrum begann sich zu lichten und eine weiter Rauchbombe entzünden traute ich mich nicht, da nun fast alle Nachtschatten dort sich umschauten um jemanden zu finden. Ich schaute zum Auto und die ersten Nachtschatten erreichten es. Ich nahm eine weitere Rauchbombe um die Nachtschatten zu desorientieren als mich eine eiskalte Hand an der Schulter packte. Ich hielt die Luft an, drehte mich blitzschnell um und – Es war Max.
 
„Warum musst du dich so anschleichen?!“ brachte ich mit Erleichterung hervor. Max schaute an mir vorbei auf den Flugplatz, schaute sich um und schaute mich wieder an. „Komm wir müssen los. Sie werden sicherlich gleich Späher schicken um zu schauen, wer den Rauch verursacht hat.“
Danach waren wir auf dem Weg zur Stadt um am sechsten Ring entlang zum Versteck zu gelangen. Wir begaben uns die Steigung hinab, kamen erfolgreich zum sechsten Ring und gingen daran entlang. Ich grübelte und überlegte mir alle möglichen Szenarien, die eintreffen könnten, wenn wir auf dem Planeten landen.
 
Sicherlich sind dort nur Wüsten und wir werden dann dort verdursten. Oder wir landen in einem Meer und ertrinken, wenn wir keine Kraft mehr haben. Oder sagen wir mal wir landen auf dem Festland aber es gibt kein Leben auf dem Planeten? Was ist, wenn es einfach nur ein grauer Steinplanet ist? Dann werden wir sicherlich verhungern. Oder wir landen nicht auf dem Planeten, sondern irgendwo im Weltall und sind eh direkt tot. Oder wir landen auf dem Planeten, dort befindet sich Leben und es ist extrem aggressiv. Ach man warum muss eigentlich immer mir so eine Kacke passieren? Warum kann das hier alles nicht einfach ein Traum sein? 
Ich kniff mich am Arm um sicher zu gehen, dass ich nicht träumte und natürlich wachte ich nicht auf, sondern war immer noch hinter Max, beim Außenring der Stadt Tropia auf dem Planeten Exidius mitten in der Pampa der Milchstraße. Ich seufzte.
„Sag mal wie genau willst du eigentlich diesen Teleportvorgang bewerkstelligen? Stand wirklich alles auf der Buchseite?“ fragte ich Max.
„Verfolgt wird das Prinzip der Quantentunnelung, nur nicht auf Atomarer Ebene, sondern für gigantische Atom-Ketten und extreme Strecken. Mit genug Energie geht das. Dafür haben wir die Kristalle.“
Meine Augenbrauen hoben sich. Quantentunnelung? Quantenphysik ist zwar sehr kompliziert aber doch nur auf atomarer Ebene verfolgbar. Wie soll man das auf so gigantische Atomketten wie Menschen replizieren können? Wäre dann nicht die ganze Welt hier komplett komisch und würde keinem der bisherigen physikalischen Gesetze dienen?
Ich schüttelte meinem Kopf. Das war zu viel für mich.
Als wir beim Versteck ankamen, nahm ich die Maske ab und konnte endlich wieder atmen ohne einem stetigen und penetranten Lakritz-Geruch in der Nase. Max legte seine Tasche auf den Tisch und ich tat es ihm gleich. Während er in seiner Tasche herumkramte, holte ich meine dreckigen Sachen von einem der Stühle und legte sie in meine Tasche. Sicher ist sicher. Als ich meine Jeans hineinlegen wollte, merkte ich etwas in der Tasche und holte es heraus. Es war mein MP3-Player.
Meine Augen wurden feucht bei dem Gedanken an mein Zuhause. Schnell legte ich den Player wieder in die Tasche meiner Jeans und stopfte sie in die Tasche. Max holte zwei Steine aus seiner Tasche heraus und legte sie auf den Tisch.
Die Steine waren tiefschwarz und manchmal durchzuckte sie ein Blitz, der einen sehr dunklen linanen Farbton hatte. Es wirkte so als würden die Steine nicht einfach Steine sein, sondern als würde irgendeine Kraft von ihnen ausgehen. Als wären sie am Leben.
Ich nahm einen der Steine in die Hand und ich fühlte nichts. Der Stein war warm und ich schaute zu Max. Er sah mich erwartungsvoll an. „Das hier.. ist ein Energiekristall?“ fragte ich.
„Ich habe keine Ahnung. Sag du es mir. Die Energiekristalle in den Büchern sahen ganz anders aus als die hier und ich habe sonst nix anderes gefunden. Die ganze Ladung war voll mit den Dingern.“ Sagte Max. Verwirrt sah ich von Max zum Kristall und wieder zurück zu Max. „Also wie sollten denn die Kristalle eigentlich aussehen?“
Max griff in seine Tasche, nahm ein Stück Pergament und wieder diesen komischen Stift, den er auch davor in der Bibliothek genutzt hat, und begann etwas zu zeichnen. Als er damit fertig war, erinnerte es mich an einen Rubin aus The Legend of Zelda. Es hätte diese ähnliche Form und ich schaute wieder zum schwarzen Stein. Ja der Energiekristall auf dem Pergament sah eindeutig anders aus als der Energiekristall, den wir hier vor uns auf dem Tisch liegen hatten. Ich war verwirrt. Warum sollten die Nachtschatten solche Steine liefern?
„Wollen wir es trotzdem durchziehen?“ fragte Max. Ich blickte nicht vom Stein weg. „Wir haben keine andere Wahl.“ Sagte ich und blickte vom Stein auf Max. „Wenn sie uns- nein eigentlich nur mich finden, dann ist es vorbei. Vor allem wollen deine Freunde mich ja ebenfalls melden, was ich ihnen nicht übelnehmen kann.“
„Aber ich kann es ihnen übelnehmen.“ Sagte Max mit einem komischen knurrenden Unterton und schlug mit der Faust auf den Tisch.
Tödlich  Tod
DeathlyPhantom

[Kaiser]

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am 09.10.2019 um 15:20

Die zwei schwarzen Energiekristalle flogen etwas nach oben und landeten wieder auf dem Tisch.
 
„Okay wir haben Rituelle Kreide, meine Berechnungen stimmen jetzt endlich, ich habe sie nochmal überarbeitet und du hast alle Sachen?“ fragte Max, nachdem wir beim Grünbaum angekommen waren.
„Ja ich hab alles, was ich brauche.“
„gut“
Max begann damit Grashalme heraus zu rupfen. Wir standen nicht nahe genug am Grünbaum, deswegen war das Gras hier lila. Es war betroffen von dem Verteidigungsgenom.
Ich half ihm und wir hatten in kürzester Zeit eine runde Fläche mit einem Durchmesser von zwei Meter geschaffen, die von Gras befreit war. Max zeichnete langsam ein Pentagramm in das Gras. Zuerst den Stern, dann den Kreis. Ich schaute nach oben. Langsam schien die Sonne am Horizont heraus zu kommen, da der Himmel auf der anderen Seite des Hügels sich anfing zu verfärben.
Ich schaute wieder zu Max und er platzierte einen Energiekristall in die Mitte des Pentagramms.
„Also dann“, sagte er „Komm auf die Rune. Zieh deine Maske auf für alle Fälle und dann geht’s an die Sache.“
Ich trat auf das Pentagramm, zog meine Maske über den Kopf, wodurch mir wieder der Geruch von Lakritz und abgestandener Luft in die Nase trat und Max trat gegenüber von mir ebenfalls auf das Pentagramm und hob seine Arme. Sie waren fast ganz oben und er erinnerte mich an die Zeit, als ich sehr gerne die brennende Kerze beim Turmspringen machte. Arme oben, beine Ausgestreckt und…
 
Max klatschte die Hände zusammen und sie waren in einer Position, als würde er beten und ich fühlte eine Art Vibration. Ich schaute auf den Energiekristall und er war nun violett verfärbt, genauso wie die Augen von Max. Ich schaute wieder zu Max und seine Augen waren zu Schlitzen verengt. Die Vibration ließ nach und ich spürte ein ziehen in meinen Beinen.
Es war nicht das gleiche ziehen wie damals als mich die vermummte Gestalt in der Nacht teleportiert hat, es war mehr wärmer. Es fühlte sich an, als hätte ich eine Zigarette mit viel zu starkem Tabak geraucht. Ich konnte meine Beine nicht mehr fühlen, nicht mehr anheben und es breitete sich eine komische Wärme in mir aus. Mein Herz fing an zu rasen. Die Wärme kroch durch meine Hüfte in meine Brust, umgarnte meine Arme und wand sich hoch bis in meinen Kopf. Alles fing an sich zu verfärben und zu verschmelzen. Es war als wäre ich nur noch Sekunden davor entfernt einfach Wasser zu werden und dann sah ich nur noch ein gleißendes Licht. Alles war weiß. Ich war in der Singularität.
 Bin ich tot? Habe ich es geschafft? Werde ich gleich aus dem Koma erwachen? 
„Verdammte Scheiße ich glaub ich habe mich doch etwas verrechnet.“
Wer sagte das? Warum verrechnet? 
Und ich war wieder mitten drin. Ich spürte das zwicken im Schritt, meine eingeengte Brust, meine Nase roch Lakritz und ich sah grün. Nein ich sah Bäume und die Bäume nährten sich mir. Es sind Baumkronen. Baumkronen nährten sich mir in beträchtlicher Geschwindigkeit.
Bin ich am Fallen?!
Ja ich war am Fallen. Ich hörte nun die Luft um meine Ohren peitschen und fühlte den Wind, der meine Maske an das Gesicht drückte. Ich breitete meine Arme und Beine aus, um den Luftwiderstand zu erhöhen. Ich sah wahrscheinlich aus wie ein Stern. Wie hoch war ich?!
 
Die Bäume kamen immer näher und ich drehte meinen Kopf zur Seite um nach Max Ausschau zu halten, konnte ihn aber in meine eingeschränkten Sichtfeld nicht sehen. Die Bäume kamen weiterhin immer näher, ich schloss meine Augen und der erste Ast traf mich direkt in den Magen. Die Luft wurde aus meiner Lunge geschossen und ich versuchte verzweifelt Luft in meine Lunge zu kriegen während ich mit Vollkaracho durch die Bäume flog. Äste trafen mich an den Beinen, was dafür sorgte, dass ich mich umdrehte und dann trafen die nächsten Äste mich an den Armen und einer quer über die Brust. Ich flog weiterhin hinunter, drehte mich wieder und als mich ein letzter Ast auf die Maske traf und sie förmlich in mein Gesicht presste, waren keine Äste mehr da und ich fiel am Baumstamm entlang um mit voller Wucht auf meinem Bauch zu landen. Alle Luft wurde erneut aus meiner Lunge geschossen und ich zwang mich umzudrehen, um auf dem Rücken zu liegen.
Meine Sicht ließ nach und ich sah alles nur noch verschwommen. Ein Schatten erschien über mir und ich musste an den vermummten Mann denken, der für all diese Leid verantwortlich war.
Elva!“ hörte ich, als wäre Wasser in meinen Augen. War es Ben? War er mir zur Hilfe geeilt um mich endlich aus meinem Koma zu befreien?
Ich wollte antworten, doch mir entkam nur ein stöhnen, da ich immer noch extreme Schwierigkeiten hatte zu atmen. Ich schloss meine Augen und spürte etwas kaltes auf meinem Kopf. Meine Kapuze war im Fall wohl vom Kopf geweht worden und meine Haare waren wohl nun komplett dem Dreck ausgesetzt.
Ein scharfer Schmerz durchfuhr meinen Schädel und ich sah nun alles wieder scharf. Über mir war Max und ich lag auf dem Boden. Ich bin am Leben!
Ich setzte mich aufrecht hin und fühlte meinen Kopf dröhnen. „Was hast du gemacht?“, fragte ich während ich die Kapuze über meinen dröhnenden Kopf zog.
„Ich habe dir auf den Kopf gehauen, da du nur gestöhnt und irgendeinen Namen von dir gegeben hast.“
„Welchen Namen?“ fragte ich und stand auf um daraufhin direkt 3 Schritte zu einem Baumstamm zu stolpern. Meine Tasche war immer noch magischerweise bei mir.
„Irgendein Ben.“ Sagte Max und ging zu mir. Na super. Zumindest kann ich jetzt wieder klar denken. Also das ist das Gegenstück von Exidius? Sieht schonmal definitiv einladender aus. 
Die Bäume um uns herum waren grün und ich konnte kein Lila sehen. Es wären ziemlich hohe Bäume und ich blickte hinauf, um die Schneise zu sehen, welche ich durch meinen Fall verursacht hatte. Man konnte nichts sehen, außer grünen Blättern. Die Bäume erinnerten mich an zu hoch gekommen Eichen. Ich wischte den Dreck von meinen Kleidern und blickte zu Max.
Er schien wohl ebenso, wenn nicht sogar noch faszinierter als ich. „Wir haben es geschafft!“ sagte ich fröhlich und umarmte Max aus Instinkt. Das war ein Fehler und ich ließ ihn augenblicklich los. Er war viel zu kalt, als dass man ihn umarmen hätte können.
 
„Wollen wir gehen und… naja irgendwas finden? Was suchen wir eigentlich?“
Max schaute mich an. Seine Augen schienen nichtmehr so kräftig zu leuchten wie davor und es schien auch nicht mehr so viel schwarzer Rauch von ihm auszutreten. Man sah mehr die humane Form und ich konnte sogar die Finger zählen. Es waren fünf.
„Erstmal müssen wir Essen finden. Der Teleport hat mich extrem viel Energie gekostet und ich muss mich wieder aufladen. Dann müssen wir schauen, wo wir überhaupt liegen, damit ich dich wieder auf deinen Planeten schicken kann.“
 
Das ist doch mal ein guter Plan. 
„Erstmal müssen wir einen Orientierungspunkt finden. Hier im Wald geht das kaum. Vielleicht hilft irgendwie ein Fluss, Teich, Hügel oder See.“ Sagte ich und ging los.
 
Max folgte mir und zusammen gingen wir durch den Wald. Es vergingen Minuten und mein Magen meldete sich langsam. Ich ignorierte es bestmöglich und wir gingen weiter. Nach zehn Minuten schien sich immer noch nichts zu ändern. Wir waren einem Baumstumpf mit Pilzen über den Weg gelaufen, sonst war nichts Sichtbares da. Ich wollte mich gerade zu Max umdrehen um ihn zu fragen, ob er eine Idee hätte, als ich etwas Kaltes um meine Beine spürte.
Ich blickte hinunter und sah etwas Durchsichtiges, was meine Beine zusammendrückte. Es sah aus wie eine Schlange und ich wollte mich gerade Bücken um es zu lösen, als ich eine Gestalt hinter einem Baum sah. Meine Beine wollten immer noch nicht und ich drehte mich schnell zu Max.
Er war ebenfalls in diesen Durchsichtigen Fesseln. Ich drehte mich erneut um und mein Blut gefror in meinen Adern. Mein Magen verdrehte sich und ich hörte meine Herzschläge so laut, als würde mein Herz durch die Brust reißen wollen.
Vor mir sah ich eine humane Gestalt. Sie trug ein aquamarinblaues Gewand mit Schulterschützern aus Leder, mehreren Gürteln, die quer über die Brust führten, einem Gürtel, der auf Bauchebene lag, langen Ärmeln und am Ende Handschuhe, die jedoch nicht die Fingerkuppen bedeckten. Als Hose trug das Wesen eine weiße Hose, jedoch mit Riemen am Becken und es hatte braune Stiefel, die bis an die Schienenbeine reichten.
Der Kopf war Schwarz. Schwarz mit mehreren Einkerbungen drei nebeneinander liegenden grünen Punkten, die anscheinend die Augen waren. Es erinnerte mich an das Nachtsichtgerät von Splinter Cell. Die Finger jedoch waren bleich und sie hatten sogar Nägel.
In einer Hand hielt die Gestalt ein Schwert, welches scheinbar aus Silber bestand. Es hatte eine simple Parierstange und einen blauen Edelstein oberhalb des Griffes 
 
Das hier ist 100% ein Pletonier. Das müssen Pletonier sein, da Rennschatten noch alptraumhafter sein müssten als Nachtschatten und Minervianer ausgestorben sind. Die hier sehen zwar nicht Alptraumhaft aus, sind aber trotzdem wahrscheinlich verdammt nochmal gefährlich. 
Ich hob die Hände und dann trat der Pletonier einen Schritt nach vorne
„Keine Bewegung!“ sagte er und seine Stimme war unglaublich angenehm. Sie war weich, tief und ölig wie die eines wunderbaren Synchronsprechers. Es versetze mich in eine Euphorie und meine Schweißproduktion schien sich zu beruhigen.
„Ihr seid umzingelt von 15 der besten Eliteeinheiten des Wasserstammes. Zu zweit könnt ihr es unmöglich mit uns aufnehmen. Ergibt euch und es wird niemandem etwas passieren!“ sagte der Pletonier vor mir. Ich konnte mich kaum auf die gesprochenen Worte konzentrieren und mein Fokus lag nur auf dem Klang der Stimme
 
Diese Stimme ist so unglaublich geil.Nein warte lass es. Das ist hier nicht angebracht! 
„Wir ergeben uns.“ Sagte Max mit einem erstaunlich hohem Ventilatorrattern.
„Gut“ sagte der Pletonier. „Zwei Nachtschatten, erstaunlich kooperationsfähig. Erstes Experiment: Bewusstlosigkeit“ und damit trat der Pletonier mit enormer Geschwindigkeit zu mir und verpasste mir einen unglaublich schmerzvollen Schlag auf die Schläfe. Ich fiel mit verschwommenem Blick und noch bevor ich auf dem Boden auftraf, sah ich wie er dasselbe bei Max tat. Ich spürte nicht, wie ich auf den Boden auftraf, da ich sogar noch davor in eine komplette Schwärze gehüllt wurde.
 
Was sollte das?
Tödlich  Tod